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  • Kritik: Viele Tote, aber keine Tragödie

    Das kennt man zur Genüge: der zweite Film ist immer der schwerste, besonders dann, wenn der erste wie eine Bombe einschlug. Vor drei Jahren machte Carl Franklin mit One False Move Furore, einer sehr schwarzen Geschichte mit sehr schwarzem Humor und strahlend durchsichtigen Bildern. Franklins neuer Film Devil in a Blue Dress ist noch viel schwärzer, sowohl im Thema wie in den Bildern, und doch hat man nicht jenes noch immer nicht genau beschreibbare Gefühl von schwarzem Blues, das nun einmal zu einem richtigen film noir gehört wie der Sarkasmus zu einer ordentlichen Komödie.

    Nach dem frechen Überraschungscoup erweist sich Franklin auf einmal als Musterschüler. Er kennt Hollywoods Schwarze Serie offenbar aus dem effeff, jedenfalls ist sein Film mit Zitaten und Verweisen auf Hawks, Huston, Ray und viele andere gespickt wie eine Magister- Arbeit. Vermutlich hinterläßt Teufel in Blau gerade deshalb ein etwas ungutes Gefühl, weil die Geschichte zu geschmiert läuft. Aber das ist ein Einwand, der vermutlich nur einem europäischen Kritiker kommen kann.

    Also alles wie gehabt: Der Kriegsveteran Easy Rawlins (Denzel Washington) läßt sich aus Geldnot einen zwielichtigen Auftrag aufschwatzen; er soll Daphne Monet (Jennifer Beals) finden. Ehe er sich recht versieht, ist Easy mitten im Asphaltdschungel, und Leichen pflastern seinen Weg zu der lasziven Frau im blauen Kleid. Erpressung, Korruption und ein höchst zwielichtig geführter Wahlkampf um den Bürgermeister von Los Angeles geben die bekannte Hintergrundfolie. Und wie die echten films noirs spielt auch Teufel in Blau Ende der vierziger Jahre.

    Nur etwas ist neu: Easy, der Amateurschnüffler, ist Schwarzer; und auch die geheimnisvolle Weiße mit Vorliebe für schwarze Jazzkneipen hat, wie man schließlich erfährt, schwarzes Blut in ihren Adern. So kommt zum klassischen Klassenkampf des weißen Underdogs gegen die korrupte Hautevolee in diesem Fall noch ein sehr moderat geführter Rassenkampf hinzu.

    Der nun hätte wirklich spannend werden können, aber Franklin verschenkt das Potential, das in dieser Konstellation steckt. Nur für einen kurzen Dialog reißt er die Tragödie der rassistischen Verblendung an, wenn er sich darüber wundert, daß der schwächliche Bürgermeisterkanditat seiner großen Liebe Daphne den Laufpaß wegen ihrer Herkunft gegeben hat. Nicht einmal die Privilegierten, so Franklins Resümee, können sich über die Rassenschranken hinwegsetzen.

    Das ist der Moment, da man bedauert, daß der Film im Jahre 1948 spielt. Die 50 Jahre Differenz zur Gegenwart wirken nun, da man zum Kern der Geschichte gelangt ist, plötzlich wie ein Vorwand zur Kostümierung, die eine schwarze Realität in eine zeitlose Erzählung verwandelt. So triumphiert das ordentlich gearbeitete Genrestück über das mögliche, aber vernachlässigte Drama.

    PETER BUCHKA DEVIL IN A BLUE DRESS. USA 1995 - Regie und Buch: Carl Franklin. Kamera: Tak Fujimoto. Schnitt: Carole Kravetz. Musik: Elmer Bernstein. Darsteller: Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle. Verleih: Columbia TriStar. 102 Minuten.

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