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  • Kritik: Verzweifelte Schwangere auf einem Hamburger Höllentrip

    Schon der expressive Titelschrei zeigt an, wohin die Reise geht. Die junge, ungewollt schwangere Sophie taumelt in der letzten Nacht vor dem Abtreibungstermin durchs nächtliche Hamburg. "Sophiiiie!"-Regisseur Michael Hofmann nimmt sein Publikum mit auf einen verstörenden Trip, bei dem die provozierende Heldin immer wieder an den Rand der Selbstzerstörung gerät.

    Sophie ist Anfang 20. Sie weiß nicht, von wem sie schwanger ist. Ihr netter, aber etwas feiger Freund kann nicht der Erzeuger des Kindes sein. Am Abend vor dem Abtreibungstermin reißt Sophie aus, rast mit dem neuen Motorrad ihres Freundes durch Hamburg und mit geschlossenen Augen in eine Kreuzung.

    Dem Publikum wird einiges zugemutet

    Auf der scheinbar ziellosen Suche nach sich selbst stürzt sie ins Nachtleben, provoziert in einer Rockerkneipe beinahe eine Massenvergewaltigung, nervt mehrere Taxifahrer und bandelt mit einem schüchternen Kinokartenabreißer an. Völlig frustriert schüttet sie Alkohol in sich, bis sie mit dem blutigen Fötus durch eine Fußgängerpassage irrt.

    In seinem zweiten Spielfilm nach der melancholischen Romanze "Der Strand von Trouville" mutet Regisseur und Autor Michael Hofmann dem Publikum einiges zu. Seiner mitreißenden Hauptdarstellerin Katharina Schüttler verlangt er aber noch mehr ab. Die junge Schauspielerin erträgt die mit einer wild bewegten Digitalkamera gedrehte Tour de Force mit einer bewunderungswürdigen Energie. Für diese Leistung erhielt sie auf dem Filmfest München 2002 den Förderpreis Deutscher Film, der in der Kategorie Regie auch Hofmann zuerkannt wurde.

    Ermüdende Exemplare aus dem männlichen Kuriositätenkabinett

    Als Passionsgeschichte erinnert der filmische Amoklauf ein wenig an die Filmtragödien des Dänen Lars von Trier. An dessen emotionale Wucht reicht Hofmanns radikales, aber oft zu dick aufgetragenes Selbsterkundungsdrama aber nicht heran: Eine psychologische Motivierung oder emotionale Plausibilität für den exzessiven Trip bleibt er schuldig. Und die endlose Reihe banaler bis abstoßender Zufallsbegegnungen mit Exemplaren aus dem männlichen Kuriositätenkabinett führt rasch zu Ermüdungserscheinungen. Eines muss man seiner "Sophiiiie!" aber zuerkennen: Sie lässt niemanden kalt.

    Reinhard Kleber, ddp

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