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  • Kritik: Versuch der Selbst-Therapie

    Seine Pillen spült der Schriftsteller Harry Block am liebsten mit Whiskey hinunter. In dieser Routine läßt er sich auch nicht von hübschen Prostituierten stören, die sich regelmäßig neben ihm im Bett wälzen. Doch alle Tabletten nützen nichts: Harrys Schreibhemmung, Nervosität und Hypochondrie steigern sich ins Unermeßliche, als plötzlich alle seine Freunde wütend auf ihn sind.

    Um endlich einen Bestseller zu landen, hat Harry Pikantes und Vertrauliches aus dem Privatleben von Freunden und Familie in einen neuen Roman eingearbeitet - das gibt Ärger. Woody Allen hätte die Hauptperson in seinem neuen Film "Harry außer sich" nicht besser besetzen können: Der Regisseur selbst spielt den Schriftsteller am Rande des Nervenzusammenbruchs. Prominente Filmpartner sind Demi Moore, Kirstie Alley, Elisabeth Shue und Robin Williams.

    Wie die meisten von Allens Filmen ist auch "Harry außer sich" im jüdischen Künstler- und Intellektuellen-Milieu New Yorks angesiedelt. "Es ist ein Film über einen Schriftsteller, den der Zuschauer kennenlernt, indem er etwas über dessen Werke erfährt", sagt der 62jährige US-Regisseur. Das ganze Chaos seines Lebens hat er in Literatur verwandelt.

    Die alternde Titelfigur mit dem sprechenden Namen Harry Block leidet anders als Allen selbst an einer Schreibblockade. Das, was Harry sage, über Kunst, Religion und Frauen, sei aber auch seine eigene Philosophie, bekennt Allen. Die Details des Films seien allerdings keineswegs autobiographisch. "Zu mir kommen keine Prostituierten nach Hause." ...Allen bietet in "Harry außer sich" ein ganzes Panoptikum seiner typischen Filmfiguren: verklemmte Intellektuelle, Psychoanalytiker voll eigener Probleme, orthodoxe Juden, schrille Huren und komplexbeladene Ehepartner. Robin Williams spielt einen Schauspieler, der plötzlich "out of focus" ist - also mittels filmtechnischer Tricks für seine Mitmenschen nur noch unscharf und verschwommen erkennbar. "Das ist einer der Höhepunkte des Films", sagt Allen. ...Für den Zuschauer verkompliziert sich die Lage, wenn neben Harrys realen Freunden auch immer wieder seine neurotischen Romanhelden auftauchen und ein Wörtchen mitreden wollen. Der rote Handlungsfaden bleibt da manchmal auf der Strecke. Als Eröffnungsfilm der Filmbiennale in Venedig hatte "Harry außer sich" im vergangenen August deshalb keinen leichten Stand. Doch die liebevoll in Szene gesetzten, typischen Woody-Allen-Charaktere sind bei dieser Starbesetzung in jedem Fall sehenswert.

    Elke Vogel, dpa

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