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  • Kritik: Versuch der Selbst-Therapie

    Daß sich die letzten Filme des 62jährigen Woody Allen nicht im Garn, aber im Strickmuster ähneln, hat sich herumgesprochen. Doch in seinem neuem, ab 21. Mai in Deutschland anlaufenden Film "Harry außer sich" treibt es das amerikanische Gag-Genie zu weit. Natürlich spielt der Film über einen kauzigen Romanschriftsteller in New York, natürlich versammeln sich um Woody Allen attraktive Frauen, natürlich kokettiert er mal wieder mit seinen eigenen Neurosen. Aber diesmal strapaziert der Meister den Kinosaal mit seinem egomanischen Getue und seiner Rolle als Opfer über alle Maßen.

    Titelheld Harry Block lebt in Manhattan. In seinem neuen Roman schlägt er eindeutig über die Stränge. Der verschrobene Schriftsteller hat seine besten Freunde zu den Hauptfiguren seines Buches werden lassen. Diese sind allerdings mit den Enthüllungen alles andere als einverstanden. Sie machen dem Erfolgsautor die Hölle heiß. Doch nicht nur die. Auch seine Romanfiguren reden ein Wörtchen mit. In der Geschichte, die Harry durchlebt, verschmelzen Realität und Fiktion.

    Von seinen Freunden wird Frauenliebhaber Block wegen des Buches gehaßt. Auch seine Romanfiguren wenden sich im Laufe des Films gegen ihn. Schön gemacht ist die doppelte Besetzung der Charaktere, einmal im richtigen Leben und einmal im Roman. In "Harry außer sich" läßt Allen seinen Darstellern allerdings keinen Raum, ihre Charaktere richtig zu formen. Dabei kann auch das Staraufgebot an schönen Hollywood-Darstellerinnen nicht retten - immerhin konnte Woody Allen Größen wie Kirstie Alley, Judy Davis, Hazelle Goodmann, Demi Moore und Elisabeth Shue gewinnen.

    Harry wird von den Frauen geliebt. Auch hier bricht eine sattsam bekannte Traumvision des Filmemachers durch. Doch läßt er die enttäuschten Liebhaberinnen sich leider nur aufs lächerlichste zur Wehr setzen. Sie jammern, schreien und krakeelen hysterisch herum. Das hat aber auch einen nachvollziehbaren Grund: Immerhin werden sie von Harry trotz demonstrierter Zuneigung hinterher wüst beschimpft. Dies ist alles andere als lustig. Und gelingt dem Schriftsteller trotzdem mal eine witzige Pointe, ist dem Kinobesucher schon längst das Lachen vergangen.

    "Harry außer sich" ist ein weiterer Versuch Woody Allens, sich filmisch zu therapieren. Auch hier lebt sich der Regisseur, Autor und Schauspieler wieder als fieser extremer Egozentriker aus. Immer lieben ihn die Frauen, er selbst ist das unverstandene Opfer. Zu allem Überfluß gebraucht Woody Allen eine derbe Fäkalsprache. Vielleicht hat er aber auch einfach nur zu viele Rap-Platten seiner jungen Ehefrau Soon-Yi gehört.

    Sabine Ziegler, AP

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