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  • Kritik: Verschwörungsthriller

    Nachbarschaft hat in den Vereinigten Staaten einen höheren Wert als in Deutschland. Nachbarn helfen sich, feiern miteinander, sie sind ein Bollwerk gegen Kriminalität und soziale Verwahrlosung, sie vertrauen sich. Aber was ist, wenn hinter der Maske des freundlichen Nachbarn ein skrupelloser politischer Extremist lauert, der bedenkenlos ganze Gebäude in die Luft sprengt, um seinen irrsinnigen Ideen zu frönen?

    Dann stimmt nichts mehr in der Weltordnung der heilen Vorstädte. Vom schlimmsten aller amerikanischen Verratsfälle handelt der Film "Arlington Road".

    Hauptperson ist der alleinerziehende Geschichtsdozent Michael Faraday, der seine Frau, eine FBI-Agentin, bei einem mißglückten Einsatz verloren hat. Eines Tages rettet der Witwer einem beim Zündeln mit Feuerwerkskörpern schwerverletzten Jungen das Leben. Bald stellt sich heraus, daß es der Sohn der neuen fünfköpfigen Nachbarsfamilie Lang ist. Freundschaft entwickelt sich, insbesondere zwischen Faradays Sohn Grant und dem wiedergenesenen Lang-Sprößling Brady. Auch Faradays junge Freundin Brooke findet die Langs ganz nett.

    Deshalb will sie nichts davon wissen, als der seit dem Tod seiner Frau äußerst mißtrauisch gewordene Dozent Zweifel an der Identität und den Absichten des sich so bieder gebenden Familienvaters Oliver Lang entwickelt. Doch diese Zweifel sind, das beweisen die hartnäckig betriebenen Nachforschungen Faraday, nur allzu berechtigt. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, ein Bürohaus fliegt in die Luft, die Guten müssen sterben, das Böse triumphiert und wird sich bald ein neues Objekt seines tödlichen Hasses aussuchen.

    Es ist also kein sehr erbauliches Geschehen, was über die Leinwand läuft. Vielmehr ist "Arlington Road" ein Film über die Unsicherheit und Angst in den USA seit dem verheerenden Anschlag auf ein Gebäude in Oklahoma City mit 168 Toten und dem Treiben des berüchtigten "Unabombers" Ted Kaczynski. Ohnehin gibt es über dem Teich eine fast masochistische Neigung zu Verschwörungstheorien, davon haben auch andere Hollywood-Streifen der letzten Jahre gezeugt. Aber Filme wie "Arlington Road" nehmen nicht Stellung gegen die Verwirrung in vielen Köpfen, sondern bestätigen und verstärken diese sogar noch.

    Nun haben Hollywood-Filme gewiß keine volkspädagogischen Missionen zu erfüllen. Dann sollten sie aber auch nicht so pseudoaufklärerisch daherkommen wie bei diesem Film, um am Ende um so triumphaler einem wüsten Irrationalismus zu frönen. Sicher mag es mutig sein, den alten Haudegen Jeff Bridges erst als Sympathieträger aufzubauen, um ihn dann erbarmungslos samt der von Hope Davis verkörperten Freundin in den Abgrund stürzen zu lassen. Und das mörderische Ehepaar Lang ist mit Tim Robbins und Joan Cusack hervorragend besetzt. Das ändert aber nichts daran, daß es wenig Grund gibt, für ein trübes Konstrukt wie "Arlington Road" Geld und Zeit zu investieren.

    Wolfgang Hübner , AP

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