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  • Kritik: Veronica Ferres als "Die Braut"

    Atemlos lernt sie ihren Johann Wolfgang kennen, denn gleich zu Beginn des Films hetzt Regisseur Egon Günther Veronica Ferres als Christiane Vulpius auf Goethe los. Im 250. Geburtsjahr des großen deutschen Dichters spielt die gebürtige Solingerin als "Die Braut" die Frau im Schatten des Genies.

    "Eine wilde, unbändige Frau, die an ihrer Leidenschaft zerbricht", wie die 33jährige ihre Rolle im dpa-Interwiew beschreibt. Ferres sieht sich "am Anfang eines Weges, der spannend und aufregend zu sein scheint". Und: "Alles bisher waren wunderbare Übungen."

    Als Goethes ungebildete, einfache Braut verkörpert die Lebensgefährtin des Regisseurs Helmut Dietl eine Leidensrolle. Lediglich Goethes Mutter habe die herzensgute Frau damals als einzige akzeptiert. "Goethe zeichnet sich im Leben der Vulpius durch Abwesenheit aus". Das Mädchen aus armen Verhältnissen habe "lebenslang eine Rolle auf Bühnen gespielt, deren Grundregeln sie nicht kannte", sagt die Schauspielerin.

    "Die Vulpius mußte alle Bosheiten des Adels aushalten, ist nachts alleine mit Pistolen gereist." Während der Dichter (Herbert Knaup) als Egozentriker die zu quälen scheint, die ihn lieben, sieht Ferres die Rolle der Vulpius als "Plädoyer für alle leidenschaftlich liebenden Frauen". Ein fragwürdiges Plädoyer, denn vor Schmerz infernalisch schreiend verabschiedet sich die Vulpius aus Film und Leben - ohne daß der Dichter, wenige Zimmer entfernt, die Kraft aufzubringen vermag, seine Frau in ihrem Todeskampf zu sehen, geschweige denn zu begleiten.

    Der Film verarbeitet die von der Schriftstellerin Sigrid Damm angestoßene historische Neubewertung der Beziehung Goethes mit Christiane Vulpius, die mit dem Lesen wohl ihre Schwierigkeiten hatte und den "Werther" nicht kannte. Die als "Bettschatz" und "rundes Nichts" verspottete Frau mußte sich zunächst in Goethes Weimarer Gartenhaus an der Ilm verstecken. "Ich denke, wenn Goethe ihr seinen Namen gibt, können wir ihr wohl eine Tasse Tee geben", soll Johanna Schopenhauer damals gesagt haben.

    Vom großen Dichter im Stich gelassen, muß die Geliebte Goethes die Bosheit des Adels alleine ertragen. "Goethe kommt in dem Film eigentlich nur, um zu gehen", sagt Ex-DEFA-Regisseur Egon Günther (71), der das Drama um ein Armenkind im Konflikt mit den höheren Ständen gedreht hat. Mit dem Goethe-Stoff "Lotte in Weimar" war Günther 1975 erstmals die Teilnahme einer DDR-Produktion an den Filmfestspielen in Cannes gelungen.

    In Günthers jüngstem Werk, das an 40 Tagen in Weimar und in den Babelsberger Studios gedreht wurde, wird der große Dichter in seinem runden Geburtsjahr eher kritisch beleuchtet. Nach ihrer Rolle als Frau in seinem Schatten will Veronika Ferres Anfang kommenden Jahres erneut als Literatengattin vor die Kamera treten - als Frau Heinrich Manns in einem Film von Heinrich Breloer.

    Frank Christiansen, dpa

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