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  • Kritik: Vernunft in Kriegszeiten

    Robert McNamara, früherer US-Verteidigungsminister und Chef der Weltbank, weiß, dass er klug und clever ist. Heute, 86 Jahre alt, weiß McNamara aber auch, dass seine Urteilskraft bei Entscheidungen, die Millionen von Menschen das Leben gekostet haben, getrübt war.

    «Vernunft wird uns nicht retten», und «Glauben und Sehen sind oft falsch»: Das sind zwei der Lehrsätze, die er in dem sehenswerten Dokumentarfilm «The Fog of War» von Errol Morris verbreitet. Ein höchst aktueller Film über die Unmöglichkeit der Vernunft in Kriegszeiten, der mit dem Oscar als beste Dokumentation gekrönt wurde.

    Morris macht es dem Publikum nicht leicht und verzichtet auf die emotionale Propaganda seines Kollegen Michael Moore. Er zielt nicht auf den Bauch, sondern auf den Kopf. Bei der Oscar-Vergabe freute er sich über seinen Erfolg: «Wenn die Leute innehalten und nachdenken über einige der Ideen und Themen in diesem Film, dann habe ich es wahrscheinlich verdammt gut gemacht.»

    Viele Stunden lang hat der Dokumentarfilmer mit McNamara gesprochen. Der alte, agile Herr mit der dicken Brille sitzt frontal vor der Kamera. Dahinter Morris, der als unsichtbarer Frager fast selbst die Rolle des Publikums einnimmt. Morris stellt Fragen nach den entscheidenden Stationen in McNamaras Leben. Er bohrt tief nach jenen Momenten, in denen die Weichen über Krieg oder Frieden, Angriff oder weitere Verhandlungen gestellt wurden. Und McNamara, der schon als Oberstleutnant im Zweiten Weltkrieg die Generäle in Japan beraten hat und dann als Verteidigungsminister während der Kuba-Krise und zu Beginn des Vietnam-Krieges zu den Entscheidern gehörte, dieser «Falke» antwortet überraschend offen.

    Es ist nicht nur die Biografie des Politikers und Managers, die hier in Kombination mit noch nie gesehenem Bildmaterial und faszinierenden Tonbandmitschnitten aus dem Weißen Haus entsteht. Es ist auch ein wichtiges historisches Dokument über Missverständnisse, Fehlinterpretationen und Unsicherheiten in Zeiten höchster Spannung in einer außer Kontrolle geratenen Welt.

    Aus McNamara, dem kühl kalkulierenden Superhirn, wird in «The Fog of War» ein Zweifler und Mahner. Immer noch kühl wirkend, erinnert er sich an etliche Momente, in denen zu viel «Kriegsnebel» das richtige Handeln verhindert hat. Doch was ist «richtig» in Zeiten, in der sich eine ganze Nation bedroht fühlt? Was dient dem Staat, was dient der Welt? Was zählt der Einzelne als mögliches Opfer? Es sind weit reichende moralische Fragen, die McNamara aufwirft - aber nicht abschließend beantwortet.

    Wer von ihm Reue erwartet hat, wird enttäuscht. Durch seine nachträglichen Analysen rechtfertigt der Kopfmensch auch eigene Fehler. Kein Wort des Bedauerns kommt über seine Lippen, wenn es um die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki oder die Invasion in Vietnam geht. Fragen nach persönlichen Gefühlen blockt er ab. Nur ein einziges Mal wirkt McNamara sichtlich bewegt: Bei der Erinnerung an den Mord an «seinem» Präsidenten John F. Kennedy.

    dpa

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