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  • Kritik: Verlorene Killer in der verlorenen Stadt

    "Zwiespältige Reaktionen"

    Fünf Ausländer wollen so schnell wie möglich aus der Industriestadt am Rhein verschwinden - und dafür ist ihnen fast jedes Mittel recht. Diese schräge Welt zeichnet der georgische Regisseur Dito Tsintsadze in lustvollem Verstoß gegen jede politische Korrektheit in seinem zweiten Film "Lost Killers".

    Da ist die vietnamesische Prostituierte Lan (Nicole Seelig), deren Geschäfte schlecht laufen - wegen schlechter Zähne. Sie trifft Carlos (Elie James Bleze) aus Haiti, der keine Arbeit hat und deswegen seine Niere verkaufen möchte, um endlich nach Australien auswandern zu können. Den beiden laufen der kroatische Ganove Branko (Misel Maticevic) und dessen georgischer Kumpel Merab (Lasha Bakradze) über den Weg, die einen dubiosen russischen Geschäftsmann gegen Geld aus dem Weg räumen sollen. Das scheitert allerdings daran, dass Amateurkiller Merab an schwachen Nerven leidet - in den entscheidenden Momenten rebellieren Magen und Darm.

    Branko insbesondere setzt das Schicksal hart zu: Er muss nicht nur mit dem unfähigen Partner Merab fertig werden, sondern auch seine unersättliche kubanische Freundin Maria (Franca Kastein) befriedigen und sich um seine greise Mutter Dusica (Regisseur Dito Tsintsadze mit Perücke) kümmern. "Vielleicht wäre es besser, wenn man sie einschläfert", sagt die Zynikerin Maria.

    Doch trotz aller kriminellen Tendenzen zeichnet Tsintsadze seine heimatlosen Helden eher als charmante Außenseiter denn als abstoßende Verbrecher. Obwohl die absurde Handlung stellenweise deutlich an die blutigen Grotesken des US-Regisseurs Quentin Tarantino erinnert, ist der Film weitgehend gewaltfrei.

    "Lost Killers" ist eine kleine Independent-Produktion, und das merkt man dem Film auch deutlich an - nicht zuletzt an dem gemächlichen Erzähltempo, das viele Arthouse-Filme auszeichnet. Das graue Mannheim mit seinen Industriegebieten und heruntergekommenen Wohnvierteln habe genau die richtige Kulisse geboten, meint Filmemacher Tsintsadze. "Ich habe einen Film über verlorene Killer gemacht, und dazu brauchten wir eine verlorene Stadt."

    Auf mehreren Festivals habe "Lost Killers" "zwiespältige Reaktionen" hervorgerufen, räumte Produzent Peter Rommel bei der Premiere in Stuttgart ein. "Manche waren begeistert, manche halten den Film für ausländerfeindlich und sogar menschenverachtend." Ein Vorwurf, den Tsintsadze für unberechtigt hält: "Es ist ist mir egal, was man für korrekt hält. Ich wollte einen Film machen, der Emotionen auslöst."

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