40.000
  • Startseite
  • » Kritik: "Verführerischer Mond":
  • Kritik: "Verführerischer Mond":

    Hamburg (dpa) - Eine Familie zerfällt. Eine Liebe zerfällt. Der neue Film des Chinesen Chen Kaige erzählt zwei Stunden lang in zarten Bildern vom Untergang eines chinesischen Clans im Wandel der Zeiten und von einer gescheiterten Liebe. "Temptress Moon", wie "Verführerischer Mond" im Original heißt, wurde bereits 1996 auf dem Filmfestival in Cannes vorgestellt.

    Sein Regisseur hatte an der Croisette für "Lebewohl meine Konkubine" 1994 die Goldene Palme gewonnen. Doch sein neuer Film, der erst jetzt in die Kinos kommt, enttäuscht die Erwartungen. "Was das Herz verbirgt, offenbart der Mond", lautet der schwülstige Untertitel, dessen Bedeutung jedoch unklar bleibt, denn der Mond spielt keine Rolle in dem Film.

    China 1911 - der letzte Kaiser dankt ab. Das alte Kaiserreich wird Republik. Die reiche Familie Pang, die in einem Palast auf dem Lande wohnt und nach alter Sitte lebt, kommt mit den neuen Verhältnissen nicht zurecht. Obendrein sind die entscheidenden Personen im Haus opiumsüchtig. Als der Alte Meister Pang stirbt, ist sein schwerkranker Sohn Zhengda (Zhou Yemang) kein tauglicher Nachfolger, und der schönen Tochter Ruyi (Gong Li) mögen die Männer die Leitung der Familie auch nicht anvertrauen. Schließlich wird der arme Verwandte Duanwu (Kevin Lin) adoptiert, der sich mit Ruyi die Herrschaft teilen soll.

    Ruyis verwaister Schwager Zhongliang (Leslie Cheung) hatte zuvor kurze Zeit im Haus verbracht, war aber geflüchtet, als er zum Diener gemacht werden sollte. Sein verletzter Stolz frißt ihn auf. Er wird in der Großstadt Teil einer Erpresserbande und schwört sich, nie wieder zu den Pangs zurückzukehren. Als er es dennoch tut, entsteht zwischen ihm und Ruyi eine zerstörerische Liebe. Bei alledem sind weder Leidenschaft noch Leid, weder Zärtlichkeit noch Hingabe zu sehen - so mancher Zuschauer wird sich nach dem Sinn des Ganzen fragen. Trotz schöner Bilder wirkt Kaiges neuer Film durch sein schleppendes Erzähltempo zäh und langatmig. Allzu klischeehaft gerät dem Regisseur der Zusammenprall der Welten, als der modern gekleidete Zhongliang wieder das Haus seiner Schwägerin betritt.

    Vielleicht liegt dort gerade der Fehler: Der Regisseur beschränkt sich nicht darauf, eine gute Geschichte spannend zu erzählen. Er befrachtet jedes ihrer Elemente mit einer übergeordneten Symbolik und läßt die Personen zugleich für Zustände stehen. So verkörpere Leslie Cheung als Zhongliang "die Agonie einer Epoche", läßt Kaige im Beiheft wissen. Ruyi stehe für die "tragische Schönheit", die zerstört werde, weil sie so ehrlich sei. Hervorzuheben sind allerdings die Leistungen der Schauspieler Leslie Cheung und Kevin Lin. Lin hat gar keine Schauspielausbildung, doch in seinem Gesicht spiegeln sich Liebe und Verachtung gleichermaßen.

    Von Fatina Keilani, dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    -5°C - 4°C
    Montag

    -2°C - 4°C
    Dienstag

    0°C - 4°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!