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  • Kritik: Verbeugung vor einem zu großen Vorbild

    Achtbar, aber zu beschaulich

    Zur feierlichen Premiere spielte das SWR-Sinfonieorchester live, jetzt kommt der Film mit der Musik von Iris ter Schiphorst und Helmut Oehring auf der Tonspur am 18. April bundesweit in die Kinos. Einen Film über Berlin für die große Leinwand in schwarz-weiß habe er drehen wollen, sagt Thomas Schadt, der bisher mit TV-Dokumentationen bekannt geworden ist. Da sei er schnell bei Ruttmann angekommen, dessen Werk nicht bloß nachgestellt, verkitscht oder etwa mit Ausschnitten ausgebeutet werden sollte.

    Vielmehr sollte es ein Neuentwurf werden, mit Genehmigung der Tochter Walter Ruttmanns, mit öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als Produzenten und mit der Bundesstiftung Film im Rücken. Und genauso wirkt der Film auch: repräsentativ und immer bemüht, nirgends anzuecken. Ruttmann verblüffte das Publikum vor 75 Jahren mit einem Film, der den Rhythmus der Großstadt in beeindruckenden Bildern und einer effektvollen Montage nachempfand. `Berlin - Die Sinfonie der Großstadt" nannte er prägnant sein Porträt der Großstadtmenschen. Es war sofort umstritten und brauchte Jahrzehnte, um allgemein als Meisterwerk anerkannt zu werden.

    Thomas Schadt möchte jetzt vieles auf einmal: Momentaufnahmen des heutigen Berlins liefern und gleichzeitig die 75 Jahre Zeitgeschichte abarbeiten, die das heutige Berlin prägen; sich vor dem großen Vorbild verneigen, dennoch aktuell sein und dabei allen gerecht werden. Das führt zu einem achtbaren, allerdings recht beschaulichen Ergebnis, während bei Ruttmann Aufbruch und atemlose Dynamik herrschen.

    Auch Schadt zeigt einen Tag in der Stadt: am Morgen das Fließband einer Großbäckerei und die Druckerei einer Tageszeitung, mittags eine Party der `Berliner Bank" und eine Armenspeisung im Hinterhof, abends die Vergnügungsmöglichkeiten, dazwischen Bundestag und Kanzleramt, ein Arbeitsamt, Angestellte in ihren Büros, den jüdischen Friedhof und noch mehr. Doch sein Film, der im übrigen ohne Geräusche auskommt, ist statisch und retrospektiv, er ebnet die Realität ein mit schönen Bildern, wo er überraschen könnte und müsste.

    Einzig die Musik treibt ihn voran, eine Musik, die jedoch immer wieder aufdringliche Akzente setzt und schließlich ins Leere läuft. `Berlin: Sinfonie einer Großstadt" heißt Schadts Film und damit so, wie Ruttmanns Vorlage oft falsch zitiert wird. Der Unterschied in den Titeln zeigt auch den Unterschied in den Filmen. Einen hübschen Berliner Bilderbogen hat Schadt abgeliefert, einen Film für Jahrestage und sonstige bedeutende Anlässe.

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