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  • Kritik: US-Melodrama - Ansammlung von Klischees ohne Dramatik

    Afrika ist zugleich ein wunderbarer und gepeinigter Kontinent. Immer wieder zieht er Menschen aus Amerika und Europa an, immer wieder leider auch Regisseure, die sich der großartigen Naturkulisse Afrikas bedienen, um Filme wie den am 28. September anlaufenden Streifen "Ich träumte von Afrika" herzustellen.

    Das von Hugh Huston inszenierte Werk mit Oscar-Preisträgerin Kim Basinger in der Hauptrolle einer italienischen Aristokratentochter versucht so offensichtlich wie vergeblich, an den Welterfolg "Jenseits von Afrika" anzuknüpfen.

    Doch außer einigen grandiosen Landschafts- und Wildtierbildern ist nur eine Geschichte zu sehen, deren Tragik behauptet, aber nicht zu sehen oder zu fühlen ist. Wir verfolgen den Lebensweg der Kuki Gallmann, die nach nur knapp überlebtem Autounfall eine ernüchternde Bilanz ihres bisherigen Daseins zieht. Das verläuft zwar materiell privilegiert, auch hat Kuki aus geschiedener Ehe ein reizendes Söhnchen. Doch wo ist der Sinn? Den findet sie persönlich in der Folgezeit in den Armen des gut aussehenden Paolo, der in dem Unfallauto am Steuer gesessen hatte und sie noch im Krankenhaus erfolgreich umwirbt. Geographisch findet das Paar seine neue Heimat im fernen Afrika.

    Dort, in Kenia, kaufen Kuki und Paolo eine halbverfallene Farm, die von Unglück umgeben ist. Man hat von der Veranda aus einen wunderbaren Blick auf die grüne Ebene, doch der Alltag besteht aus zermürbenden Herausforderungen, wozu auch schon mal eine nächtliche Löwenattacke und ein sturer Elefantenbulle im Salatgarten gehört. Kuki und Sohn Emanuele beißen sich jedoch durch, allerdings stören Paolos Jagd- und Sauforgien das Glück in der Wildnis. Mit ihrem Mann hat Kuki ohnehin meist nur Sorgen, bis ihn ein weiterer Autounfall das Leben kostet. Hochschwanger muss die tapfere Italienerin ihren Mann begraben, doch schon warten auf sie neue Herausforderungen.

    Wie und ob Kuki auch diese bewältigt, sei hier nicht verraten. Aber die Tatsache, dass die von Kim Basinger nicht sonderlich glaubhaft verkörpert Italienerin ganz real lebt und eine 100.000 Hektar große Rinderfarm in einer der schönsten Provinzen Kenias bewirtschaftet, mag Hinweis genug sein auf den Filmschluss. Vielleicht ist das gleichnamige, 1991 erschienene Buch von Kuki Gallmann ja besser als der daraus gemachte Film des Briten Huston. Der hatte bereits 1984 großen Erfolg mit einem ganz anderen Afrika-Film, nämlich "Greystoke - Die Legende von Tarzan, Herr der Affen". Aber Tarzan ist ein moderner Mythos, der immer wieder Faszination ausübt.

    Dagegen hat die Geschichte einer Weißen, die mit Mut, Fleiß und Unternehmungsgeist den offensichtlich fatalistischen Schwarzen vormacht, wie trotz aller Schicksalschläge ein florierendes Unternehmen aufgebaut wird, einen äußerst faden neokolonialen Beigeschmack. Wenn der Film wenigstens noch gut und halbwegs dramatisch in Szene gesetzt wäre, ohne quälend-tiefsinnige Dialoge, könnte man diesen hoffnungslos altmodischen Streifen noch mit einiger Milde abtun. Aber es fehlt leider auch an handwerklichen Tugenden. Und so wirkt die schöne Kim Basinger ziemlich allein in Afrika. Auf viel Gesellschaft im Parkett sollte sie nicht hoffen.

    Wolfgang Hübner, AP

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