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  • Kritik: US-Kassenknüller mit müden Späßen

    Frankfurt/Main - Es gibt Filme mit Musik und Filme zur Musik. Die in den USA überaus erfolgreiche Komödie "Eine Hochzeit zum Verlieben" zählt mit ihren vielen Hits aus den 80er Jahren zur letzteren Kategorie.

    Die Handlung ist folglich schnell erzählt, weil äußerst schlicht: Der von einer Hochzeitsfeier zur nächsten tingelnde Alleinunterhalter Robbie Hart wird am eigenen Festtag Opfer einer großen Blamage. Denn die Auserwählte hat es sich in letzter Sekunde anders überlegt. Robbie stürzt in tiefe Depressionen. Doch da gibt es ja noch die süße Kellnerin Julia, die sich ausgerechnet mit einem miesen Börsenhai verehelichen will - eine Chance für Robbie...

    Daß Regisseur Frank Coraci und Drehbuchautor Tim Herlihy in dem am 25. Juni anlaufenden Film keine aufregende Geschichte zu erzählen haben, ist nicht das, was an "Eine Hochzeit zum Verlieben" sonderlich stört. Es ist vielmehr die sich ach so menschlich gebende Verlogenheit, die von der ersten Szene an waltet. Wer soll eigentlich glauben, daß der Robbie-Darsteller Adam Sandler, ein gutaussehender Strahlemann mit öligem Aufreißer-Charme, in solche Schwierigkeiten mit jungen Damen geraten könnte? Wer soll ausgerechnet die smarte Drew Barrymore, in anderen Rollen und auch im richtigen Leben als "böses Mädchen" profiliert, nun als blitzsauberes blondes Vorstadtkind mit treuem Blick akzeptieren?

    Wenn das in den USA trotzdem der Fall war und die Kassen klingelten, hängt das mit zwei Faktoren zusammen, die in Deutschland keine Rolle spielen: Der schwarzgelockte Adam Sandler ist in den USA ein landesweit berühmter Comedy-Star mit großen TV-Serienerfolgen. Und die Figur des "Wedding Singer", wie der Originaltitel des Films lautet, ist eine populäre kulturelle Institution, mit der die meisten Amerikaner mindestens einmal im Leben in Berührung kommen. Dagegen sind die Hits aus den Achtzigern auch hierzulande in bester Erinnerung, insbesondere wenn einer davon "99 Luftballons" heißt und von der überraschend zu neuer Popularität gelangten Nena gesungen wird.

    Insgesamt wird der Zuschauer bei "Eine Hochzeit zum Verlieben" nie das Gefühl los, einem genau kalkulierten, auf maximalen kommerziellen Erfolg getrimmten Film zu begegnen. Nach dem Willen der Produzenten sollte offensichtlich TV-Star Sandler auch auf der Leinwand groß herauskommen, Drew Barrymore endlich das Image wechseln, alt und jung gleichermaßen oberflächlich bedient werden, der Soundtrack reichlich über die Theke gehen und das Leben in den USA als Vorstadtidyll mit kleinen, liebenswerten menschlichen Schwächen und Problemen verklärt werden. Der richtige Film eben zur großen Popcorntüte, geistig so nützlich wie der Tüteninhalt für den täglichen Vitaminbedarf.

    Wolfgang Hübner, AP

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