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  • Kritik: Unverwüstlicher Humor im Bombenhagel

    Der Irak-Krieg ist praktisch vorbei, doch der Wiederaufbau und die politische Neuordnung des arabischen Landes werden die Welt noch lange beschäftigen. Ein zentrales Problem bleibt das leidvolle Schicksal der kurdischen Minderheit, das die Folie für den zweiten Langfilm des iranischen Regisseurs Bahman Ghobadi liefert.

    "Verloren im Irak" schildert den harten Überlebenskampf einiger Kurden, die trotz der Bombenangriffe von Saddam Husseins Luftwaffe nie den Mut oder gar ihren Humor verlieren.

    Tausende Flüchtlinge und Banditen in Polizei-Uniform

    Kurz nach dem Ende des irakisch-iranischen Krieges bricht der alte iranisch-kurdische Musiker Mirza mit seinen Söhnen Barat und Audeh und einem alten Motorrad auf, um im benachbarten Nordirak seine Frau Hanareh wieder zu finden. Seit die Sängerin ihn vor 23 Jahren verlassen hat, gilt sie als verstoßen, braucht nun aber seine Hilfe.

    Unterwegs begegnen die drei Tausenden Kurden, die vor den irakischen Luftangriffen in Lagern im iranischen Grenzgebiet Zuflucht suchen. Die Musiker werden von Banditen in Polizeiuniform ausgeraubt, lassen sich davon aber nicht entmutigen. Kurz vor dem Ziel lässt Mirza seine Söhne zurück, um den letzten Teil der Reise allein anzutreten.

    Bewegendes Plädoyer für Liebe und Menschlichkeit

    Schon mit seinem Debütspielfilm "Die Zeit der trunkenen Pferde", der in Cannes 2000 die Caméra d'Or gewann, legte Ghobadi einen beeindruckenden Talentbeweis vor. Mit "Verloren im Irak", der acht internationale Festivalpreise einheimste, ist ihm erneut ein bewegendes Plädoyer für Liebe und Menschlichkeit gelungen. Dabei vermeidet er unprätentiöse Kritik an Unterdrückung und jede Ausflucht in plakative Anklagen. Im Gegenteil: Die erste Filmhälfte feiert die Fähigkeit der Kurden, den beschwerlichen Alltag mit einem unverwüstlichen Humor zu bewältigen, mit einer Skurrilität, die an die Lebenslust des Balkan-Regisseurs Emir Kusturica erinnert - selbst wenn der Filmschnitt mal etwas holpert und die orientalische Erzählweise Doppelungen im Dialog in Kauf nimmt.

    Immer wieder dröhnen unsichtbare Bomber

    Erst als die Musikergruppe in die verschneiten Berge kommt, wird der Ton ernster und steigert sich zu einer erschütternden Leidenschronik: zerstörte Dörfer und Massengräber, ein Zeltlager mit Waisenkindern und ein Hochgebirgscamp voller Witwen, die von den irakischen Chemiewaffenangriffen teilweise entsetzlich entstellt sind. Ghobadi erspart uns die schlimmsten Anblicke, ihm genügt das immer wiederkehrende Dröhnen unsichtbarer Bomber, um die Todesangst der Opfer anschaulich zu machen. Dennoch entlässt Ghobadi den Zuschauer am Ende nicht ohne Hoffnung.

    Reinhard Kleber, ddp

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