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  • Kritik: Unter der Lupe des Totmacher-Regisseurs:

    Deutsche Landsleute im Ausland - wer hat im Urlaub nicht schon seine Erfahrungen mit ihnen gemacht und kann davon eine Geschichte erzählen. Der Regisseur Romuald Karmakar, der mit dem Film "Der Totmacher" mit Götz George bekannt wurde, macht das in seinem neuen Streifen "Manila" gleich zwei Stunden lang.

    Karmakar vereint dort einen Mikrokosmos der deutschen Gesellschaft - gespielt von einer großen Schauspielerriege: Michael Degen, Jürgen Vogel, Manfred Zapatka, Martin Semmelrogge und US-Schauspielerin Elizabeth McGovern ("Es war einmal in Amerika").

    Die Geschichte beginnt, wo der Urlaub mehrerer hundert Fluggäste endet: Auf dem Flughafen der philippinischen Hauptstadt Manila warten die Passagiere einer deutschen Maschine seit einigen Stunden vergeblich auf ihren Rückflug. In der Hitze der Halle braut sich unter den ungeduldigen Gästen eine Mischung aus Neugier und Lust, Langeweile und Aggression zusammen. Dabei können sich so manche Marotten erst richtig entfalten, und Karmakar lässt kaum ein Klischee aus.

    Das aber bestreitet der Regisseur und Drehbuchautor: "Wer meint, das seien Klischees, behauptet implizit, das beurteilen zu können. Tatsächlich aber wird Normalität abgebildet und die Leute, die von Klischees reden, stehen am Rand, sind marginal."

    In der Nacht treffen im Flughafengebäude Menschen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein können. Nachtclub-Besitzer und Lebemann Walter (Michael Degen) will die Leiche eines Freundes, der an Aids gestorben ist, nach Deutschland bringen. Walter macht die Bekanntschaft mit Knut Görler (Peter Rühring), einem ostdeutschen Frührentner. Knut findet in dem Aussteiger ein Vorbild, um das nachzuholen, was seine Frau Regine (Margit Carstensen als Vorzeige- Lehrerin) ihm verwehrt - das Leben zu genießen. Regine lernt unterdessen Walters philippinische Frau Maribel kennen.

    Die beiden Vettern Rudi (Jürgen Vogel) und Herbert (Manfred Zapatka) zeigen sich welterfahren, wirken aber umso naiver. Während sich Monteur Herbert als Macho gibt, versucht Rudi die Sympathien einer deutsch-amerikanischen Journalistin (Elizabeth McGovern) jüdischer Abstammung zu gewinnen. Zum Nebenschauplatz werden die Toiletten des Flughafens. Dort lernt der Schwabe Franz (Martin Semmelrogge) die Toilettenfrau Mercy kennen und zeigt ihr die Fotos seiner Liebschaften. "Ich flieg zwei Mal im Jahr auf die Philippinen. Im Dezember, wenn's im Herz kribbelig wird, und im Mai, wenn's unten 'rum kribbelig wird." Mercy-Darstellerin Ces Quesada ist in ihrer philippinischen Heimat ein Star.

    Auch die Nebenrollen sind prominent besetzt: Der Star vieler Edgar Wallace-Filme, Eddi Arent, spielt sich gleich selbst. Komiker Herbert Feuerstein probt als Passagier ohne Namen den Aufstand gegen den Vertreter der Fluggesellschaft (Sky Du Mont in einer Paraderolle als arroganter Beau). Überraschend versucht sich jedoch der aufblühende Knut als Chorleiter und will die Menschenmenge als "Gefangenenchor von Manila" musikalisch vereinen.

    Bei "Manila" gehen die Meinungen der Fachwelt weit auseinander. Im Januar erhielten Karmakar und Co-Autor Bodo Kirchhoff den Bayerischen Filmpreis für das beste Drehbuch. Bei den Filmförderern kam der Film weniger gut an: Die Filmförderungsanstalt in Berlin lehnte die Förderung ab und meinte: "Die stark sexbetonten Vorgänge erschöpfen sich zunehmend. Es wird die Vulgärsprache bemängelt." So ziert denn auch folgendes Motto das Buch zum Film: "So weit Sie auch reisen, Sie bleiben immer ein Schwein."

    Nach Ansicht von Karmakar hat die massive Ablehnung "unterschiedliche Gründe": "Es muss mit dem Thema und der Art, wie es erzählt worden ist zu tun haben."

    Marc-Oliver von Riegen, dpa

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