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  • Kritik: Unschuld und Kampf zweier junger Frauen

    Als die beiden weitgehend unbekannten Schauspielerinnen Elodie Bouchez und Natascha Regnier bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes als "beste Darstellerinnen" gekürt wurden, war die Filmwelt verblüfft. Doch viele Cineasten, die die beiden jungen Frauen in "Liebe das Leben", dem ersten langen Spielfilm des französischen Regisseurs Erick Zonca, erlebt hatten, konnten kaum etwas gegen den Jury-Beschluß einwenden.

    Zoncas knapp zweistündiges Debütwerk ist mit einfachsten Mitteln produziert und besticht gerade durch die Schnörkellosigkeit und Eindringlichkeit der beiden Hauptakteurinnen. Die Schilderung der leidvollen Suche zweier Außenseiterinnen nach ihrem Platz im Leben ist von Donnerstag (15.10.) an in deutschen Kinos zu sehen.

    Der 42 Jahre alte Regisseur beschreibt einfühlsam, wie sich die extrem unterschiedlichen Frauen Isa und Marie beim Jobben als Näherinnen im winterlich tristen Lille kennenlernen. Beide sind 20 Jahre alt, so alt wie Zonca, als dieser von Paris nach New York zog, um zum Film zu kommen - was ihm allerdings erst Jahre später gelang. Die aufgeschlossene Isa (Bouchez) versucht mit all ihrer naiven Neugier, ihrem Lebenshunger und Optimismus, das Beste aus ihrem Tramp-Daseins zu machen. Sie hält sich mit dem Verkauf selbstgemachter Postkarten über Wasser und bricht in die Welt der komplizierten, hochverletzlichen Marie (Regnier) ein. Diese reagiert erst gleichgültig, findet aber bald Gefallen an der neuen Situation.

    Zusammen genießen die neuen Freundinnen ein von Zufall bestimmtes Leben sowie den Komfort einer Wohnung, deren Besitzerin Opfer eines Autounfalls geworden ist. Die Tochter der Verunglückten lebt, liegt aber im Koma. Während Marie dieses Schicksal kalt läßt, beginnt Isa in Tagebüchern des von ihrer Verwandschaft aufgegebenen Mädchens zu lesen. Nach und nach übernimmt die stets hoffnungsvolle Isa Verantwortung für das fremde Mädchen im Krankenhaus. Die zerrissene, selbstzerstörerische Marie indes läßt sich auf eine unausgegorene Beziehung zu dem verwöhnten Schnösel Chriss (Gregoire Colin) ein. Das Liebesabenteuer mit dem arroganten Clubbesitzer stürzt Marie in ein Meer der Verzweifelung und des Selbsthasses und belastet die Freundschaft zu Isa elementar. Isa kämpft um die Freundschaft, doch Marie kann Freund und Feind nicht mehr auseinanderhalten. Das Drama findet ein unerwartetes, bitteres Ende.

    Sowohl das unschuldige Vagabundieren der beiden Frauen als auch das verhängnisvolle Ende des Tanzes am Rande des Abgrundes wird von beiden Darstellerinnen psychologisch mit äußerster Präzision auf die Leinwand gebracht. Unterstützt werden sie dabei von überzeugenden Nebendarstellern und von den Bildern der Kamerafrau Agnes Godard, die mit Handkamera-Einstellungen sehr authentische Sequenzen beisteuerte. An dem Drehbuch arbeitete Zonca (mit Roger Bohbat) zwei Jahre lang, um dann aus einer Vier-Stunden-Version diesen fesselnden Film entstehen zu lassen. Zum Ende des Films - im Original "La Vie revee des Anges" (Das geträumte Leben der Engel) - belegt Zonca noch einmal sein Engagement für Frauen: Er zeigt Gesichter von Arbeiterinnen, von denen jede ein ähnliches Schicksal wie Isa und Marie haben könnte.

    Markus Elsner, dpa

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