40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Ungewöhnliche Reise ans Meer
  • Kritik: Ungewöhnliche Reise ans Meer

    "Aus heiterem Himmel" gerät Dessous-Verkäuferin Marcia (Tatiana Saphir) in ein lustvolles Abenteuer mit zwei lesbischen Frauen. Die beiden toughen Mädchen Mao (Carla Crespo) und Lenin (Veronica Hassan) sprechen die schüchterne und ziemlich dicke Marcia auf der Straße in Buenos Aires an.

    "Willst Du Sex", fragt Mao. Marcia will zunächst weggehen, ist aber doch angezogen von der unerwarteten Begegnung - sie bleibt. Dem argentinischen Regisseur Diego Lerman ist mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm "Aus heiterem Himmel" ("Tan de repente") ein stilles, gefühlvolles Werk gelungen, das Mut macht, in den Tag hinein zu leben und die Dinge einfach geschehen zu lassen.

    Der Film kommt mit wenigen Worten aus

    Marcia fährt mit Mao und Lenin, die es ihr gegenüber nicht an Strenge fehlen lassen und zur Durchsetzung ihrer Interessen auch mal ein Messer zücken, ans Meer. Der Anblick der gewaltigen Wellen scheint sie zumindest für einen Moment von ihrer Scheu gegenüber dem Leben zu befreien. Der Ausflug der drei endet schließlich im Haus einer Tante (Beatriz Thibaudin) von Lenin. In dem von einer liebevoll toleranten Grundstimmung geprägten, aber auch etwas skurrilen Haushalt sammeln die Mädchen neue Erfahrungen - hier haben sie Raum zum Nachdenken und Ausprobieren, zum Weinen und Lachen.

    Lermans in Schwarz-Weiß gedrehter Film kommt mit wenigen Worten aus. Über weite Strecken erzählen Bilder und geradezu greifbare Stimmungen die Geschichte - anrührend die Szenen, in denen im Haus der Tante die Generationen aufeinander treffen und Wahlverwandtschaften entdeckt werden. Dabei droht der Film an keiner Stelle zur Schnulze abzudriften - dafür sorgen die Härte, die Mao und Lenin im Umgang mit Marcia zeigen, und die neben aller Fröhlichkeit auch von Brutalität, Verzweiflung und Selbstzweifeln zeugenden Bilder Lermans.

    Preisregen auf den Filmfestivals

    Der Regisseur selbst sagte über seine Arbeit, "Aus heiterem Himmel" sei ein Film, der aus Kontrasten bestehe. Er habe "ein paar Zentimeter Abstand zur Normalität" gewinnen und eine "Geschichte mit Menschen aus Fleisch und Blut" erzählen wollen. Für den gelungenen Versuch bekam er im vergangenen Jahr den Silbernen Leoparden beim Filmfest Locarno, den Fipresci Preis bei der Viennale, den Publikums- und Spezialpreis der Jury beim Buenos Aires Filmfest sowie die Auszeichnung als Bester Film beim Havanna Filmfest.

    Ulrike Geist, ddp

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Freitag

    1°C - 8°C
    Samstag

    5°C - 7°C
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!