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  • Kritik: Umstrittener Knüller aus Mexiko

    Mit "Die Versuchung des Padre Amaro" kommt ein Kassenknüller und Skandalfilm in die deutschen Kinos, der im Heimatland Mexiko für Proteste, Bombendrohungen und Besucherrekorde sorgte. Es ist die Geschichte einer verbotenen Liebe zwischen einem ehrgeizigen Jungpriester und einer 16-jährigen Dorfschönheit.

    Zum Ärger der katholischen Kirche rankt sich das Melodrama im ländlichen Mexiko auch noch um bestechliche Kirchenväter, Drogendealer, mörderische Rebellen und Abtreiberinnen. "Mit einigen Protesten von sehr konservativen Gruppen haben wir schon gerechnet", räumte Regisseur Carlos Carrera in einem Interview ein.

    Doch der 40-jährige Filmemacher war "sehr überrascht", als er Bombendrohungen erhielt, ein Erzbischof den Kinobesuch als Sünde anprangerte und Kirchengänger mit Plakaten und Bannern vor den Kinos lautstark protestierten. "Das war die beste Werbung für unseren Film", versichert die Hauptdarstellerin Ana Claudia Talancon. Die 22- Jährige, die in Mexiko durch Seifenopern berühmt wurde, spielt in dem kontroversen Streifen das fromme Mädchen Amelia, das sich in den jungen Priester verliebt. "Je lauter die Kirche protestierte, umso mehr Menschen wollten den Film sehen. Es wurde ein Kampf für Redefreiheit und das Recht, sich von Oben nichts vorschreiben zu lassen", erklärt Talancon den sensationellen Kassenerfolg.

    Zu Bigotterie und Korruption mischt sich Geldwäsche und Drogenhandel

    Mit mehr als 15 Millionen Dollar spielte "Padre Amaro" mehr ein als die scharfe Sexkomödie "...mit deiner Mutter auch!" oder das brutale Drama "Amores Perros" und wurde so zur erfolgreichsten einheimischen Produktion Mexikos. Carrera nennt es schmunzelnd "göttliche Gerechtigkeit", dass sein Film mit einer Oscarnominierung ausgezeichnet wurde. Bei der Trophäenverleihung Ende März gaben die Oscar-Wähler aber dem deutschen Streifen "Nirgendwo in Afrika" den Vorzug. Sieben Jahre verbrachte der Regisseur damit, Geld und Unterstützung für das umstrittene Projekt zu sammeln. Früh war es ihm gelungen, den heutigen Shootingstar Mexikos, Gael Garcia Bernal, für die Rolle des Padre Amaro zu gewinnen - lange bevor Bernal mit den Filmen "...mit deiner Mutter auch!" und "Amores Perros" zum internationalen Kinoschwarm wurde.

    Der Film beruht auf dem 1875 veröffentlichen Roman "Das Verbrechen des Paters Amaro" des portugiesischen Schriftstellers Eca de Queiroz. Die alte Vorlage mit verbotener Liebe, Bigotterie, Zölibat und einer korrupten Kirchenleitung frischte Carrera mit Drogendealern und Geldwäschern auf. Mit Blick auf die jüngsten Enthüllungen von Sexskandalen und Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche hält der Mexikaner seinen Film fast schon für altmodisch. "Heute würde man aus Amelia einen Jungen machen und statt 16 wäre er 10 Jahre jünger", spekuliert Carrera.

    Sentimentaler Liebesfilm mit einem Hauch von Soap-Charakter

    Während einige Filmkritiker in den USA auf Ähnlichkeiten zwischen dem Liebesdrama und tränenreichen mexikanischen Soap-Operas verwiesen, lobte die "Washington Post" die Mischung aus "Leidenschaft, Verzweiflung und Tragödie", die weit über das Seifenopernniveau hinausgehe. Für Carrera ist "Padre Amaro" zwar ein sentimentaler Liebesfilm, der sich im Kern aber um Scheinheiligkeit, Lügen, Macht und Betrug dreht: "Dinge also, die man überall auf der Welt versteht."

    Barbara Munker, dpa

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