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  • Kritik: Umstrittene Adaption

    Der autobiografische «Roman eines Schicksallosen» des ungarischen Literaturnobelpreispreisträgers Imre Kertész gehört zu den weltweit meistgelesenen Büchern über den Holocaust und dessen Folgen. Dementsprechend groß waren die Erwartungen an die Adaption des Bestsellers für das Kino.

    Als der Film im Februar dieses Jahres während der Internationalen Berliner Filmfestspiele vorgestellt wurde, war das Echo größtenteils ablehnend. Bei vielen Kritikerinnen und Kritikern fiel die Leinwandversion der Leidensgeschichte eines KZ-Überlebenden durch.

    Kertész hat das Drehbuch zum Film selbst geschrieben und sich in Interviews immer wieder lobend über die Regie von Lajos Koltai geäußert. In diesen Interviews verwies er nebenbei aber auch auf einen der wesentlichen Gründe für die starke Ablehnung des Film durch viele Rezensenten. Kertész sagte während der Berlinale: «So schön wie der Junge, der mich spielt, habe ich nie ausgesehen.» Und das ist der Knackpunkt des Projekts: Die Menschen sind entweder zu eindimensional schön, edel und gut oder böse, die Situationen wirken zu arrangiert, gestellt, konstruiert. Dadurch kann sich keine Wahrhaftigkeit einstellen.

    Das wird geradezu peinigend, wenn das nackte KZ-Grauen von ausgeklügelt anmutenden Bildern in kunstvollem Grau und Sepia gespiegelt werden soll. Da wird der schlimmste Horror des Holocaust', wird das Foltern und Morden zum ästhetisch anmutig ausgeleuchteten Tableau. Das Urteil eines Berlinale-Berichterstatters: «"Fateless" ist ein Holocaust-Film der schönen, und zwar kitschig schönen Bilder.»

    Wesentlich wird die Wirkung dazu durch die Musik von Altmeister Ennio Morricone bestimmt. «Dessen Partitur grenzt ans Perverse», schrieb der Rezensent einer auflagenstarken Berliner Tageszeitung entsetzt. Tatsächlich schwelgt der Soundtrack mit kaum auszuhaltender Wucht im Sentimentalen. In ihrem Schwulst wirkt die Musik vollkommen austauschbar, könnte auch einem Western, einer Lovestory oder einem Thriller unterlegt werden.

    György Köves, das Alter Ego von Autor Imre Kertész, schildert seinen Leidensweg im Roman konsequent als Ich-Erzähler. Eine Erzähltechnik, die sich für das Kino nicht gut eignet. Konsequent umgesetzt würde das nämlich bedeuten, dass der Erzähler nie im Bild zu sehen ist. So etwas wurde bereits versucht, führte aber so gut wie nie zum Erfolg. Denn Filmkunst lebt wesentlich davon, dass sich Zuschauer mit einem Helden, einer Heldin identifizieren können. Was bei jemandem, der nicht zu sehen ist, kaum gelingen kann. Insofern war es von vornherein ein großes Wagnis, diesen exzellenten Roman in die Sprache des Kinos übersetzen zu wollen. Viele Kritiker des Films meinen, dass es wohl besser gewesen wäre, dieses Wagnis erst gar nicht einzugehen.

    dpa

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