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  • Kritik: Um die halbe Welt nach Deutschland

    Berlin. Mit einem Mercedes rauscht Sir Francis in seine westafrikanische Heimat. Der ist zwar nicht das neueste Modell, doch vollgepackt mit Geschenken aus Deutschland. Das schindet Eindruck bei den Daheimgebliebenen.

    "Ein Mercedes?", sagt Sir Francis, "in Deutschland ist jedes Taxi ein Mercedes." Kein Problem für ihn, auch gleich falsche Pässe und Schlepper zu beschaffen. "Europa ist unsere einzige Hoffnung", glaubt denn auch Fotograf Kojo, der mehr schlecht als recht über die Runden kommt.

    Flucht als Chance

    Das Wagnis beginnt. Gemeinsam mit seiner Freundin Carla und seinem Kumpel Zaza, der bereits vor dem Unrechtssystem in seinem Land geflohen war, macht sich Kojo auf den strapaziösen Weg in ein vermeintlich besseres Leben.

    "Anansi - Der Traum von Europa" heißt der neue Film des deutschen Regisseurs Fritz Baumann, der der tatsächlichen Route der Illegalen folgt. "Anansi" ist auch der westafrikanische Name für eine trickreiche und weise Spinne, die es immer wieder schafft, auch hoffnungslose Situationen in Chancen zu verwandeln. Als Chance sehen auch Zaza (George Quaye), Kojo (Jimmy Akingbola) und Carla (Naomie Harris) ihre Flucht. Gemeinsam mit dem verschlagenen Sir Francis (Maynard Eziashi) schleichen sie sich auf einen russischen Frachter. Dort sind sie nicht die einzigen blinden Passagiere, und als sie sich vor der Mannschaft verstecken, stirbt einer der Afrikaner.

    Eindrückliche Szenen

    Es sind eindrückliche Szenen, die Regisseur Baumann auf die Leinwand bringt. Etwa als die Gruppe von Ghanaern und einem Togolosen geschnappt wird, und ein Besatzungsmitglied Clara zu Sex zwingt, die Flüchtlinge sich durch die Wüste Nordafrikas zum Mittelmeer schleppen, sie mit einer Nussschale nach Spanien übersetzen, um dann schlussendlich versteckt in einem Lkw nach Deutschland zu fahren.

    Sympathische und menschliche Protagonisten

    "Mit dem Film wollte ich den Tausenden von Namenlosen, die diese gefährliche Reise nach Europa wagen und zunehmend auf unseren Straßen auftauchen, ein Gesicht geben", sagt Regisseur Baumann, der zuvor vor allem Dokumentarfilme gedreht hatte. Das ist dem Filmemacher gelungen. Und trotz des ernsten Themas ist kein Betroffenheitsfilm entstanden. "Anansi" nimmt sich des Sujets nicht ohne Humor an, zeigt sympathische und menschliche Protagonisten und ist sensibel und spannend erzählt. Wie realistisch die Geschichte ist, bleibt allerdings immer präsent - und gerade das macht den Film auch plakativ.

    Nathalie Waehlisch, ddp

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