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  • Kritik: Trügerische Idylle

    New York. Tom Stall (Viggo Mortensen führt sat das perfekte Leben. Gemeinsam mit Ehefrau Edie (Maria Bello) und ihren zwei Kindern lebt er in Millbrook, einer amerikanischen Kleinstadt in Indiana. Sein Café ist Treffpunkt der Stadtbewohner.

    Edie eine angesehene Anwältin, ihr halbwüchsiger Sohn Jack prügelt sich nicht, und die sechsjährige Tochter Sarah ist einfach nur herzig. Doch David Cronenbergs neuer Film «History of Violence» wäre kein echter Cronenberg («Spider», «Die Fliege»), wenn sich hinter der Fassade der Musterfamilie nicht eine ganz andere Geschichte verbergen würde.

    Eine Geschichte der Gewalt beginnt mit der Heldentat des harmlos wirkenden Tom. In Notwehr tötet er zwei Räuber, die sein Café überfallen und seine Gäste bedrohen. Von den Medien landesweit als Held gefeiert, sieht man ihn auf allen Fernsehkanälen. Kurz darauf taucht ein vernarbter Fremder (Ed Harris) aus Philadelphia auf, der Tom für einen untergetauchten Killer hält und noch eine Rechnung mit ihm offen hat.

    Er beginnt die Stalls zu beobachten, verfolgt Edie und ihre Tochter ins Einkaufszentrum und steht mit seinem Wagen vor dem Haus der Familie. Das ruhige Leben in der Kleinstadt ist damit schlagartig vorbei. Als die Gangster seine Familie bedrohen, holt Tom vor seinem Haus zum finalen Befreiungsschlag aus und danach fragt sich nicht nur seine Frau Edie verstört: «Warum kann Tom so gut töten?»

    In «A History of Violence», der auf dem Comic «A small town killing» von John Wagner und Vince Locke beruht, geht es um die Unmöglichkeit der eigenen Identität zu entkommen. Ein nicht gerade sehr origineller Plot, doch trotzdem ist Cronenberg ein interessanter Thriller gelungen, der neben den drastischen Gewaltszenen auch Situationskomik bietet - ob gewollt oder nicht.

    Der Film hält eindeutig, was der Titel verspricht

    Der Film hält eindeutig, was der Titel verspricht. Cronenberg geht nicht gerade zimperlich mit seinen Schauspielern und Zuschauern um. Viggo Mortensen ist häufig blutverschmiert, mehr als einmal sieht man Blut spritzen und hört Knochen brechen. Dieser Film ist definitiv nichts für schwache Nerven. Trotzdem steht nicht nur die physische Gewalt im Vordergrund, sondern auch das Misstrauen, das sich langsam in das Familienleben der Stalls einschleicht.

    Die anfängliche Kleinstadtidylle, in satten Farben gezeigt, bricht auseinander und weicht einer dunkleren Realität. Dabei wirkt der Film nie düster, vielmehr bleibt Cronenberg die ganze Zeit bei kräftigen Farben. Es sind ihm einige großartige Bilder gelungen. Schon die erste Einstellung vor einem heruntergekommenen Motel lässt einen die schwüle Hitze spüren und die Fliegen vorbeisurren hören. Wenn später der Gangsterboss aus Philadelphia mit einer Kugel im Kopf stirbt, hat man selten einen so ästhetischen Tod auf der Leinwand gesehen.

    Neben Viggo Mortensen, der spätestens seit seinem Auftritt als Aragon in der «Herr der Ringe»-Trilogie bekannt ist, überzeugen Ed Harris und William Hurt als irische Gangster. «Zunächst waren die Produzenten von dieser Besetzung nicht so begeistert, da beide nicht gerade für Gangsterrollen bekannt sind», erinnert sich Cronenberg im dpa-Gespräch. Mario Bello, die zuletzt in «Das geheime Fenster» neben Johnny Depp zu sehen war, spielt Edie Stall.

    dpa

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