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  • Kritik: Tropische Leidenschaften

    Hamburg (dpa) - Das Glück einer unerwarteten Liebe und die Tragik ihres Scheiterns an äußeren Umständen war schon immer eines der klassischen Themen der Weltliteratur. Auch Joseph Conrads Roman "Victory", der jetzt von dem englischen Regisseur Mark Peploe unter gleichem Namen verfilmt wurde, erzählt - bisweilen etwas langatmig - die Geschichte solch einer tragischen Liebe.

    Willem Dafoe, bekannt aus "Platoon" und "Der englische Patient", spielt den weltabgewandten Eigenbrötler Axel Heyst, der Anfang dieses Jahrhunderts auf einer kleinen Insel im Malaiischen Archipel in den Tag hineinlebt. Als ehemaliger Leiter einer stillgelegten britischen Kohlemine und Sohn wohlhabender Eltern hat er zwar keine finanziellen Sorgen, doch auch nichts, was ihn aus der Einsamkeit seines Daseins inmitten des tropischen Regenwaldes erlösen könnte. Als er sich jedoch nach langer Zeit wieder einmal in die unruhige Zivilisation des Kolonialhafens von Surubaya begibt, um dort die Hinterlassenschaften seines längst verstorbenen Vaters in Empfang zu nehmen, lernt er die junge Alma (Irene Jacob) kennen.

    Alma, verarmt und ohne elterlichen Schutz, spielt als Violinisten in einer obskuren Damenkapelle, die unter der strengen Führung des windigen Italieners Ziangiacomo ihre männlichen Zuhörer nicht nur mit musikalischen Genüssen verwöhnt. Um sie aus den Fängen Ziangiacomos zu befreien, entschließt sich Heyst, sie mit auf seine abgelegene Insel zu nehmen. Die Flucht gelingt, und zwischen den beiden Außenseitern entwickelt sich in der Romantik des tropischen Eilands eine zarte Liebe. Doch das Glück währt nicht lange, die Idylle findet ein brutales Ende.

    Conrads im Stil des romantischen Realismus verfaßter Roman wurde bereits viermal verfilmt. Mark Peploe gelingt es in seiner Kinoadaption leider nicht immer, die romantische Geschichte frei von Kitsch und emotionalen Übertreibungen zu erzählen. Willem Dafoe, der bisher vor allem als Bösewicht auf der Leinwand in Erscheinung getreten ist, bleibt in seiner Darstellung der Romanfigur Axel Heyst kraftlos. Auch Irene Jacob kann ihre schauspielerischen Fähigkeiten, die sie bei Kieslowskis "Die zwei Leben der Veronika" unter Beweis gestellt hat, nicht richtig zur Geltung bringen. Dafür verwöhnen üppige Bilder von der tropischen Inselwelt Südostasiens die Augen des Zuschauers.

    Conrads Roman basiert auf Erfahrungen und Eindrücken, die dieser auf ausgedehnten Reisen über die Weltmeere sammelte. Als Sohn polnischer Land-Edelleute 1857 in der Ukraine geboren, zog es ihn schon als 17jährigen hinaus in die große weite Welt. Die Figuren in "Victory" entspringen, so Conrad im Anhang des Romans, realen Personen, denen er auf seinen Fahrten begegnete. Obwohl er die Sprache erst als Erwachsener lernte, zählt Conrad zu den großen Meistern der englischen Literatur und gilt als einer der ersten englischen "Modernisten".

    Von Peter Zöll

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