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  • Kritik: Triviales Panoptikum mit spektakulären Trickszenen

    Wenn ein Komet von der Größe New Yorks geradewegs auf die Erde zurast, ist die Menschheit von Auslöschung bedroht. Die Gefahr, daß dieses apokalyptische Ereignis eintritt, ist statistisch gering, aber keineswegs irreal, wie das am 14. Mai anlaufende Hollywood-Drama "Deep Impact" zu beschwören versucht. Denn schon einmal soll der Einschlag eines Himmelskörpers auf die Erde eine ungeheure Katastrophe unter der vorzeitlichen Tier- und Pflanzenwelt verursacht haben. Doch machte gerade das Sterben der Saurier vielleicht erst den Aufstieg der Spezies Mensch zur einstweiligen Krönung der Schöpfung möglich.

    Wenn dem so war, erinnert sich indessen niemand mehr in Dankbarkeit daran. Und deshalb dienen Kometen in Romanen wie Filmen als immer wieder beliebte Angstmacher. Jüngstes Beispiel ist Mimi Leders Spektakel "Deep Impact". Doch längst nicht so aufregend, wie sich der Zuschauer das erhofft und der Stoff es erfordert hätte, ist der zweistündige Streifen der routinierten TV-Regisseurin geraten, die mit "Projekt: Peacemaker" im Vorjahr ein schwaches Kinodebüt gab. "Deep Impact" nun erzählt die Geschichte vom Kometen, dessen Kollisionskurs verzweifelte amerikanische Anstrengungen zur Verhinderung des Desasters auslöst.

    Eine tapfere Raumschiffbesatzung unternimmt einen tollkühnen Versuch zur Sprengung des Kolosses im Weltraum, scheitert jedoch. Der Komet zerbirst in zwei Teile, die weiter Richtung auf die Erde halten. Nun muß in den USA ausgelost werden, wem eine Chance zum Überleben in unterirdischen Bunkern vergönnt wird. Auch die verloren geglaubten Raumfahrer stehen vor schweren Entscheidungen. Derweil versucht der verzweifelte US-Präsident seine Nation auf das Schlimmste vorzubereiten, eine ehrgeizige Journalistin entdeckt im Angesicht des Weltendes Wichtigeres als nur beruflichen Erfolg.

    Zweifellos hält "Deep Impact", die letzte Arbeit des verstorbenen deutschen Kameramanns Dietrich Lohmann, spektakuläre Trickszenen parat: Wenn die Astronauten auf dem lebensfeindlichen Kometen landen, wenn die von dessen Einschlag ins Meer verursachte riesige Flutwelle Manhattans Wolkenkratzer samt Freiheitsstatue wegreißt - das ist spektakulär und beweist die technologische Raffinesse der DreamWorks-Studios von Produzent Steven Spielberg. Aber um diese Glanzpunkte herum wird abgedroschene Dramaturgie aus dem Skript-Computer verbreitet, langweilen Charaktere von der Stange, nervt die unsägliche Drück-die-Tränendrüse-Psychologie.

    Daß die Schwächen von "Deep Impact" so offensichtlich werden, hängt mit einem Effekt zusammen, der gerade Hollywood-Machern wie Spielberg noch ernsthafte Probleme bescheren wird: Denn der Welterfolg von "Titanic" verdankt sich letztlich der genialen Verschmelzung einer schockierenden Katastrophe mit einer herzzerreißenden Liebestragödie. Wie wunderbar das in James Camerons Film funktioniert hat, wird Abermillionen zeitlebens im Gedächtnis bleiben. Und sie werden neue Filme mit verwandter Thematik natürlich daran messen - schlecht für "Deep Impact".

    Regisseurin Leder samt die drei Drehbuchautoren haben kein Werk von auch nur annäherndem "Titanic"-Format auf die Leinwand bannen können. Dabei geben hochkarätige Schauspieler wie Robert Duvall als kantiger Raumfahrtveteran, der souveräne Morgan Freeman als schwarzer Präsident und Vanessa Redgrave als Mutter der von Nachwuchstalent Tea Leoni gespielten Journalistin ihr Bestes. Das Spektrum der Hautfarben und Minderheiten in den USA ist politisch korrekt vertreten, sogar ein Alibi-Russe darf an der Rettung der Menschheit teilhaben. Alles ist wohlkalkuliert, aber eben deshalb zu glatt, zu platt, zu durchschaubar. Ein ärgerlicher Film.

    Wolfgang Hübner, AP

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