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  • Kritik: Traurige Rebellion

    Russische Filme sind erdenschwer, voll Melancholie und Traurigkeit und schwelgen in der weiten Landschaft des Ostens. Soweit das Vorurteil. Doch wie es sich mit Vorurteilen verhält: Sie werden mitunter von der Wirklichkeit aufs trefflichste bestätigt.

    Das tut der Film «Die Rückkehr», mit dem der weithin unbekannte russische Regisseur Andrej Swjaginzew beim Filmfestival von Venedig den Goldenen Löwen gewann. Der 40-Jährige präsentiert ein bedrückendes Vater-Sohn-Drama, dessen Motive und Hintergründe über weite Strecken im Unverständlichen bleiben. Doch trotz mancher Einwände handelt es sich um einen beachtlichen Streifen.

    Schon die erste Szene: Da steht ein elfjähriger Junge auf einem hohen Sprungturm, unter ihm das kalte, graue Meer. Der größere Bruder und die Freunde haben den Sprung längst gewagt, der Wind pfeift immer kälter, der Himmel immer düsterer. Quälend zieht sich die Szene in die Länge. Der Junge auf dem Turm zittert, zu springen wagt er nicht. Erniedrigt und untröstlich steigt er den Turm herab. Später, im Kampf mit dem Vater, beweist er einen Mut, den die Zuschauer ihm gar nicht zugetraut hätten.

    «Die Rebellion eines Jungen gegen die Autorität», versuchen Kritiker das «Thema» des Films in den Griff zu bekommen. Die Handlung ist einfach: Nach über zehnjähriger Abwesenheit taucht völlig unerwartet der Vater wieder in der Familie auf. Die beiden Söhne kannten ihn lediglich von einem Foto. Doch statt Wiedersehensfreude breitet sich düstere Stimmung in der Familie aus. Abweisend, kühl ist der Vater. «Wo hat er die ganze Zeit gesteckt?», fragen sich die Halbwüchsigen. War er im Gefängnis?

    Dann schlägt der Vater einen Ausflug mit den Kindern auf eine gottverlassenen Insel vor. Tage lang dauert die Fahrt an den See. Wortkarg ist der Vater, die Jungs werden immer verängstigter, die Landschaft wird immer karger. Bleierne Schwere legt sich über den Film. Was sucht der Vater auf der Insel? Immer strenger behandelt der Vater seine Söhne, ausgerechnet der Jüngere wird aufsässig, brutal wird er darauf vom Vater abgestraft. Das Drama nimmt seinen Lauf, die Reise wird zum Albtraum.

    Absichtsvoll lässt der bislang auch in Russland eher unbekannte Regisseur in seinem Spielfilmdebüt viele Fragen offen. Auch im Interview verweigert er Fingerzeige. «Es gibt Dinge, für die gibt es keine Antworten. Entweder wir haben einen Sinn für sie und fühlen sie oder eben nicht.» Für das, was sich auf der Leinwand abspielt, könne er dem Zuschauer keine Erklärung an die Hand geben. Ohnehin habe er eher mit Hilfe von Intuition gearbeitet.

    Bedrückend auch das Ende, auch hier bringt Swjaginzew wieder einen hohen Turm ins Spiel. Der Konflikt zwischen Vater und Sohn spitzt sich auf der Insel bis zur offenen Rebellion zu. Am Ende gibt es einen Toten. Nachtrag aus der Wirklichkeit: Wenige Wochen nach den Dreharbeiten ist der ältere der beiden jugendlichen Schauspieler beim Schwimmen in just demselben See auf mysteriöse Weise ertrunken. «Er tauchte ins Wasser, seitdem hat man ihn nie mehr gesehen», sagt der Regisseur. «Eine Tragödie».

    dpa

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