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  • Kritik: Tragödie einer Musikerin - Drama der Schwestern Tuckers

    Wen die Götter besonders lieben, dem geben sie manchmal nur wenig Zeit auf Erden. Die Musikerin Jacqueline du Pre, Englands Cellistin von Weltrang, ist 1987 im Alter von gerade 42 Jahren ihrem Leiden an Multipler Sklerose erlegen.

    Als sie starb, hatte sie einen mehrjährigen Kampf gegen die tückische Krankheit verloren, doch in den Aufnahmen ihrer berühmten Konzerte lebt sie weiter, kann ihre Kunst noch immer bewundert und genossen werden. Unvergesslich ist sie in den Erinnerungen derer geblieben, die sie gekannt haben - insbesondere natürlich in der Erinnerung ihrer Schwester Hilary und ihres Bruders Piers, die beide darüber ein Buch geschrieben haben.

    "Ein Genie in unserer Familie" heißt es, aufgeblättert werden darin unbekannte Kapitel aus dem Privatleben der Frühgestorbenen. Aus diesem Stoff hat nun der junge britische Regisseur Anand Tucker nach dem Drehbuch von Frank Cottrell Boyce einen ergreifenden Film geformt, der zum Besten gehört, was bislang in diesem Jahr in den Kinos zu sehen war. Es ist nicht nur das schwere Schicksal der weltberühmten Cellistin, was den Betrachter anrührt, es ist auch die großartige schauspielerische Leistung von Emily Watson in der Rolle Jacqueline du Pres, die den am 5. August in Deutschland anlaufenden Filme zu einem Ereignis machen.

    Die gebürtige Londonerin Watson, die sich gleich mit ihrem Leinwanddebüt 1996 in Lars von Triers Melodram "Breaking the Waves" einen großen Namen machte, beweist sich erneut als die begabteste und faszinierendste unter all den Filmdarstellerinnen der jungen Generation. Natürlichkeit, Intensität, Glaubwürdigkeit und absolute professionelle Konzentration - all das vereint ihr Spiel perfekt. Wenn diese Darstellerin am Cello sitzt oder verzweifelt gegen die ersten Symptome ihrer tödlichen Krankheit ankämpft, dann wird Genie und Leid zum Dokument. Doch nicht nur Watson macht diesen Film zum Ereignis, auch die Australierin Rachel Griffiths in der Rolle der Schwester Hilary trägt dazu viel bei.

    Es ist Regisseur Tucker gelungen, zwei starke Motive in einem Film zu bündeln: die Tragödie Jacquelines sowie das Schwesterndrama zwischen der erfolgreichen, aber privat frustrierten Musikerin und der weniger begabten, jedoch ihr familiäres Glück findenden Hilary. Diese plausibel geglückte, keineswegs leicht zu bewerkstelligende Bündelung macht den Film doppelt sehenswert. Griffiths, bereits als Theaterautorin in Erscheinung getreten, kann sich durchaus gegen die brillante Watson behaupten. Das verleiht dem zweistündigen, niemals lange werdenden Streifen jene besondere Spannung, die auch im realen Zusammenleben der musizierenden Schwestern geherrscht haben muß.

    David Morrissey spielt vital Hilarys Ehemann Kiffer Finzi, der auf Drängen seiner Frau zeitweilig zum Liebhaber der Cellistin wird. Deren Verbindung mit dem noch immer prominenten Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim (James Frain) war nur vergängliches Glück beschieden. Zwar feierten beide zusammen legendäre Auftritte auf den Konzertbühnen der Welt. Doch die damit verbundenen Anstrengungen, der Verzicht auf das Glück einer Familie, das Jacqueline einst selbst Geborgenheit vermittelt hatte, dazu der Ausbruch der Krankheit zerrütteten die Ehe mit Barenboim. Der Film schildert all das mit unverkrampft nobler Diskretion gegenüber den Lebenden und der Toten. Auch das zählt zu den Qualitäten, die "Hilary und Jackie" zu einem wunderbaren Kino-Erlebnis machen.

    Wolfgang Hübner, AP

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