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  • Kritik: Tragikomödie von Alain Resnais: "Das Leben ist ein Chanson"

    Mit seinem neuesten Streifen "Das Leben ist ein Chanson" (On connait la chanson) hat der bretonische Altmeister Alain Resnais einen Kinofilm von so französischem Charmes geschaffen, daß Zuschauer und Kritiker in seinem Heimatland einhellig begeistert waren. Kein Wunder, daß der Film bei der Cesar-Preis-Verleihung 1998 mit sieben Erwähnungen die meisten Auszeichnungen einheimste, darunter für das beste Drehbuch sowie die beste weibliche und männliche Nebenrolle.

    Doch auch das Publikum auf der diesjährigen Berlinale amüsierte sich zwei Stunden lang königlich über die wunderbar leicht inszenierte Tragikomödie rund um die Trivialität des Lebens. Die Berlinale-Jury würdigte Regisseur Resnais ("Hiroshima, mon amour", "Smoking/No Smoking") anläßlich dieses Films mit einem Silbernen Bären für seinen "herausragenden Beitrag zur Filmkunst unserer Zeit".

    Gezeigt wird das Leben, Lieben und Leiden der Pariser Großstadtneurotiker, die sich allesamt mehr schlecht als recht durch den oft so banalen Alltag schlagen. Der Möchtegern-Hörspielautor Simon (Andre Dussolliers) verliebt sich in die Studentin und Fremdenführerin Camille (Agnes Jaoui), die sich wiederum in den Immobilienmakler Marc (Lambert Wilson) verguckt hat. Von dem möchte Camilles Schwester Odile (Sabine Azema) liebend gern eine teure Wohnung mieten. Darüber ist ihr Mann Claude (Pierre Arditi) gar nicht glücklich, genauso wenig wie über den plötzlich wieder aufgetauchten Ex-Lover von Odile, Nicolas (Jean-Pierre Bacri).

    In vielen Situationen verstecken sich die Protagonisten oft hinter der Maske der Konventionalität und gängigen Floskeln. Da wird gelogen, betrogen, vertuscht, beschönigt und geheuchelt, was das Zeug hält. Doch plötzlich erklingen keine Sätze, sondern Schlagerfetzen in der Originalversion, die in Frankreich jeder kennt. Wenn plötzlich aus den Mündern von Odile oder Simon die Stimmen von Charles Aznavour, Gilbert Becaud, Edith Piaf oder Sylvie Vartan schmettern oder säuseln, staunt nur der Zuschauer. Denn auf der Leinwand geht das Leben seinen gewohnten Gang, der Schauspieler bewegt die Lippen, als ob er spricht und nicht singt - und raucht, ißt oder geht weiter.

    So entsteht oft eine unglaubliche Situationskomik, die einfach zum Lachen reizt. Ja, man kennt das Lied....all die kleinen Tricks und Notlügen, in denen sich die Hauptfiguren verheddern, um den Schein zu wahren. Die Trivialität der Handlung, die Zersplitterung in Episoden, und der ironisch gefärbte Humor über das allzu Menschliche erinnern an die Komödien von Woody Allen. Dabei ist das Stilmittel, Filmdialoge singen zu lassen, keineswegs eine Erfindung des 75jährigen. Jacques Demy hat solche Filme gedreht, Allen hat damit experimentiert, doch Resnais Vorbild war nach eigenem Bekunden die englische Kultserie "Lipstick on your collar" von Dennis Potter.

    "Die Herausforderung bestand darin, ungeachtet meiner Bewunderung für Potter keine bloße Kopie in die Welt zusetzen. Wir beschlossen, ausschließlich französische Lieder zu benutzen, und zwar im Rahmen einer ganz alltäglichen Geschichte", sagte Resnais im Interview. Die kurzen Schlagerausschnitte - oft nur wenige Refrainzeilen - seien so eingesetzt worden wie die beliebten Gemeinplätze im Sinne von "Auf Regen folgt Sonnenschein". Durch solche Binsenweisheiten setze man sich eine Maske auf und gebe nicht das Geringste von sich preis, meint der Regisseur.

    Kirsten Baukhage, dpa

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