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  • Kritik: Tragikomödie aus der schwedischen Provinz

    Mit sehr gebremster Euphorie macht sich Mia (Sofia Helin) von Stockholm aus auf die Reise in ihr Heimatdorf in der schwedischen Provinz, um den 70. Geburtstag ihres Vaters im Kreise der Familie zu feiern.

    Die beruflich erfolgreiche Singlefrau hat keine Lust auf ihre bigotte Sippe, allesamt bemitleidenswert ahnungslose Hinterwäldler mit einem Horizont bis zum eigenen Gartenzaun. Es kommt aber ganz anders als befürchtet, nicht jede Familienfeier muss in einer Katastrophe enden.

    Die schwedische Theaterregisseurin Maria Blom entwirft in ihrem Debütfilm «Zurück nach Dalarna!» das durchaus liebevolle Porträt einer Familie, die von gemäßigt skurrilen Typen bevölkert wird. Ihre Macken haben sie alle, aber irgendwie sind diese Provinzler auch ganz nett. Richtig böse oder abgründig, so wie in Thomas Vinterbergs grandiosem Dogma-Drama «Das Fest»(1998), wird die Sache hier nicht.

    Dabei entpuppt sich Mias älteste Schwester Eivor (Kajsa Ernst) als veritable Nervensäge. Eine Hausfrau und Mutter im Trachtenkostüm, die im Gemeindesaal eine riesige Party organisiert, aber vor lauter Kontrollzwang bald den Überblick verliert und selbst bei Mann und Kindern nur noch Mitleid erregt.

    Die mittlere, frisch geschiedene Schwester Gunilla (Ann Petrén) schwärmt von Liebhabern auf Bali, findet sich aber im kalten Norden nicht mehr zurecht. Dazu kommt Mias früherer Verehrer Jan-Olov (Joakim Lindblad), der gerne einmal schneidig mit dem Motorschlitten aufkreuzt, aber mit vierzig noch bei seiner Mutter Barbro (Barbro Enberg) wohnt. Diese Frau ist so etwas wie das stille Zentrum in diesem von viel Schnaps befeuerten Hurrikan aus Neurosen und Profilierungssüchten - endlich ein Mensch, der nicht pausenlos palavert, sondern die Gabe des Zuhörens besitzt. So jemanden benötigt Mia dringend, denn hinter der Fassade der Powerfrau verbirgt sich eine beziehungsgestörte Mittdreißigerin, die reichlich Probleme mit sich herumschleppt.

    Bis zum Äußersten geht Maria Bloms sympathische, gut besetzte Tragikomödie, die in Schweden über eine Million Zuschauer hatte, nur ganz selten. Dann und wann ein Schuss, einmal wird es sehr traurig - eine Geschichte so wie das ganz normale Leben. In einer der schönsten Szenen gehen die drei Schwestern spazieren, streiten sich wieder einmal und tollen dann wie Kinder im Schnee umher - auf der Suche nach einem Zipfel der verlorenen Unschuld.

    dpa

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