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  • Kritik: Träume von der großen Liebe

    Wer jemals einen Abend in einer Notaufnahme verbracht hat, bekommt eine Ahnung davon, wie der Alltag von Sanitätern aussehen kann: Apathische Junkies, Menschen im Alkoholrausch und geprügelte Frauen, die immer wieder zu ihren Männern zurückzukehren. Ganz zu schweigen von denen, für die jede Hilfe zu spät kommt.

    Regisseur Hendrik Hölzemann (27) war selbst Zivi beim Rettungsdienst in Köln und hat aus seinen Erfahrungen nun seinen ersten Film gemacht - «Kammerflimmern», so nennt man Herzrhythmusstörungen, die au auch zum plötzlichen Tod führen können.

    Protagonist des Dramas ist ein Rettungsassistent mit dem Spitznamen Crash (Matthias Schweighöfer), der als kleiner Junge bei einem Unfall seine Eltern verloren hat. Immer wieder driftet er während seiner Arbeit in die Vergangenheit und in Träume, an deren Ende stets eine Frau wiederkehrt (Jessica Schwarz). Richtig geraten: Die beiden lernen sich auch im wirklichen Leben kennen, als Crash zu einem Einsatz gerufen wird. Der Freund der hochschwangeren November stirbt, und zwischen Crash und November beginnt eine zarte Liebesgeschichte, die sich einem dramatischen Ende nähert.

    Hölzemann kontrastiert in seinem Film den drastischen Alltag des Sanitäters mit Traumsequenzen. Gelungen sind die Übergänge zwischen Traum und Realität, die ihren eigenen Sog entwickeln, am Ende kommt der Film sogar ohne Dialoge aus. Dass ein Unfall das Schlüsselelement der Handlung darstellt, war schon in arg vielen Filmen der Fall und ist nicht sonderlich originell. So hatte mit «Wolfsburg» erst kürzlich eine deutsche Produktion eine ähnliche Idee. Seinem Protagonisten hat Hölzemann weitere autobiografische Merkmale verpasst: Beide haben eine Narbe, beide fahren gerne Skateboard. Letzteres verschafft dem Film einige Sequenzen in MTV-Ästhetik, in denen Schweighöfer in coolen T-Shirts über die Landstraße saust.

    Sieht man über Drehbuchschwächen hinweg, so stimmt das Casting: Matthias Schweighöfer («Soloalbum») verkörpert den sensiblen Rettungsassistenten so, als sei er selbst Zivi gewesen, und er harmoniert mit Jessica Schwarz, die im Film einen wirklich überzeugenden falschen schwangeren Bauch vor sich herschiebt. Beide Akteure bekamen für «Kammerflimmern» gerade den Bayerischen Filmpreis. Einen schönen Gastauftritt hat Rosel Zech als Großmutter, Nebenfiguren sind mit Bibiana Beglau und Florian Lukas prominent besetzt. Fazit: ein Film für Schweighöfer-Fans und Zivis.

    dpa

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