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  • Kritik: Tom DiCillos "Box of Moonlight"

    Hamburg (dpa) - Man nehme einen brillanten John Turturro als verklemmten Ordnungsfanatiker in der Midlife-Crisis, einen jungen, chaotischen Aussteiger (Sam Rockwell) und lasse die beiden irgendwo in der Einsamkeit einer mittelamerikanischer Provinz aufeinandertreffen. Tom DiCillo hat aus dem Zusammenprall der beiden Welten einen beschwingenden Filmcocktail gemixt, der sich auf kein Genre festlegen läßt.

    "Es ist eine existentialistische Abenteuer- Komödie", sagt der amerikanische Regisseur, den seine New Yorker Szene-Komödie "Living in Oblivion" 1995 zum Star des Sundance- Festivals machte. "Box of Moonlight" kommt an diesem Donnerstag in die deutschen Kinos.

    Unterwegs auf der Suche nach sich selbst ist dabei nicht nur Turturro als Ingenieur Al Fountain, dessen Schicksal eines Tages die entscheidende Wendung nimmt. "Das ist die zentrale Frage, die sich jeder stellen sollte, die auch ich mir gestellt habe: Wo stehst Du selbst?", sagt DiCillo. Sein Held Al entdeckt das erste graue Haar - und danach ist die Welt nicht mehr, was sie war. Dinge passieren rückwärts, Kaffee läuft aus der Tasse in die Kanne, die altvertraute Realität stellt sich quer, entzieht sich seiner Kontrolle. "Das ist die existentialistische Seite an dem Film: Man steckt mitten in der Krise und weiß es nicht mal - wie bei Kafka", sagt DiCillo.

    Ein Hauch Abenteuer kommt hinzu, außerdem bestechend schöne Landschaftsaufnahmen und ein kauzig-abwegiger Humor, der die Helden der abstrusen Story doch nie bloßstellt, sondern liebevoll konturiert. Ein witziger Soundtrack bürstet in betonter Spießigkeit gängig-heroisches Roadmovie-Gebahren gegen den Strich. Die Fahrt geht nicht durch endlose Prärien, die mit Pathos zum großen amerikanischen Traum führen, sondern auf verschlungenen Wegen durch grüne Wälder. Es ist hier nur die ganz kleine, persönliche Freiheit, die gesucht wird.

    Humor spielt die Hauptrolle bei der schicksalshaften Begegnung in der Aussteiger-Behausung mitten im Wald, an deren Ende Al Fountain nicht nur um einige neue Liebeserfahrungen reicher sein wird. "Satire ist gesund und wichtig in einer kulturellen Gesellschaft". Intoleranz für die Lebensweise gesellschaftlicher Außenseiter, wachsender Konservatismus und Fundamentalismus sind Dinge, die DiCillo in der amerikanischen Gegenwart ausmacht und die ihn zu diesem Film drängten. "Die USA sind derzeit auf dem Weg zurück ins Mittelalter", meint er.

    So konfrontiert er das seltsame Paar Al/Kid bei einem Ausflug in die "Kleinstadt-Zivilisation" prompt mit einer Jesus-Erscheinung. Der Retter offenbart sich jedoch auf einer Reklametafel für Hamburger. Und auch der Priester, der dem verwirrten Al aus seiner Krise helfen will, hat - wie sich schließlich herausstellt - nicht nur Barmherziges mit seinen Mitmenschen im Sinn. Diese Realität kann Angst machen, findet DiCillo - "aber man soll darüber lachen können". Die Box of Moonlight, das geheimnisvolle Kästchen, das Kid seinem neuen Freund Al zum Abschied schenkt, verbirgt in sich den Schlüssel dazu.

    Von Andrea Barthelemy, dpa

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