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  • Kritik: Tom DiCillos Blick auf kleine Lügen und große Illusionen

    Wenn nichts ist, wie es scheint, aber alle dem schönen Schein huldigen, ist man mitten drin in der Film- und Modebranche von New York. Joe hält sich für einen begnadeten, vorübergehend noch verkannten Schauspieler, der sich als Kellner sein Geld verdienen muß; seine Freundin Mary schminkt verprügelte Models für Werbeaufnahmen; Bob geht nur deshalb mit Blondinen ins Bett, um festzustellen, ob sie wirklich naturblond sind; Sahara sucht Liebe und Sinn, gerät aber nur an brutale Knaben; Tina spielt Madonna und ist doch nur Tina. Das ist das Personal von Tom DiCillos intelligentem Filmvergnügen "Echt blond", das am 23. Juli anläuft.

    DiCillo, Absolvent der Filmschule an der New Yorker Universität und gelernter Kameramann, gehört seit seiner 1995 produzierten Satire auf das Leinwandgeschäft mit dem Titel "Living in Oblivion" zu den besten und interessantesten US-Filmemachern. Er hat mit der Sicherheit des echten Könners rasch seinen eigenen Stil gefunden, gekennzeichnet von präziser Schilderung der Charaktere, die er auch im Fall von "Echt Blond" für das von ihm ebenfalls verfaßte Drehbuch genau studiert hat. Wohl deshalb wirken sie so glaubwürdig und lebendig, auch wenn einem hierzulande diese New Yorker Szene weder bekannt ist noch sonderlich interessiert.

    Es bedarf nicht nur guter, sondern vor allem bestens motivierter Schauspieler, um einen Film wie "Echt Blond" zum Kinoereignis zu machen. DiCillo hat diese Darsteller, allen voran Matthew Modine als jungenhaft-idealistischer Joe und Catherine Keener als seine langjährige Freundin Mary. Modine hat schon in etlichen Hollywood-Streifen mitgewirkt, aber verweigert sich immer wieder den dortigen Karrierezwängen, um in anspruchsvollen unabhängigen Produktionen mitspielen zu können. Die schlanke Keener, einzige Brünette unter all den echten und falschen Blondinen des Films, war in allen bisherigen Werken des Regisseurs dabei, stets beeindruckend mit ihrer Intensität.

    Eine Überraschung in "Echt Blond" ist der Auftritt von Daryl Hannah als männermordende Darstellerin Kelly. Die bereits von etlichen Hollywood-Produktionen her bekannte Hannah mimt mit Spielfreude und ungeahnter Begabung ein bösartiges Weibsbild. Regisseur DiCillo hat unlängst in einem Interview gesagt: "Ich bin manchmal schockiert, daß Leute, die theoretisch große Stars sind, überhaupt keine Ahnung haben, was an ihrer Rolle aufregend sein könnte. Ich versuche immer, Leute zu finden, die die Rollen spielen wollen und mir vertrauen."

    Es gehört wenig Prophetengabe dazu, daß die Zahl berühmter Schaupielernamen wachsen wird, die in einem Film des bemerkenswerten Filmemachers mitwirken wollen. Das wird wohl schon beim nächsten Projekt deutlich werden, einem Krimi. Ein ganz neues Genre für DiCillo, aber auch reizvolle Herausforderung für den ehemaligen Kameramann von Jim Jarmusch, mit dem er 1984 den Kultfilm "Stranger than Paradise" drehte. Respektlos gegenüber einer sich oft irrwitzig gebärdenden Industrie wird er auch bei diesem Krimi bleiben: "Die Produzenten finden ihn gut, wie alles, wo Sex und Gewalt vorkommen. Daß es eine Satire wird, haben sie noch nicht mitgekriegt."

    Wolfgang Hübner, AP

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