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  • Kritik: Tödlicher Virus-Terror

    Als Brad Pitt für seine Rolle in "12 Monkeys" einen Golden Globe in Empfang nehmen durfte, bedankte er sich bei seinem Agenten, seinen Eltern, seiner Freundin Gwyneth Paltrow - und bei dem Hersteller jenes Anti-Durchfallmittels, das ihn davor bewahrt hatte, sich beim Dreh vor Aufregung in die Hose zu machen. Denn Grund zur Nervosität gab es bei dem Film von Anfang an: Die Flop-Gefahr war allgegenwärtig.

    Aus vielen Gründen: Zum einen basiert "12 Monkeys" auf dem kommerziell chancenlosen, experimentellen Kurzfilm "La Jetée" des französischen Dokumentaristen Chris Marker. Dann ist Regisseur Terry Gilliam ("Brazil") ein fanatischer Perfektionist, in dessen aktivem Wortschatz der Begriff "Kompromiß" nicht vorkommt. Und schließlich werden die hochkarätigen Stars des Films in denkbar wenig publikumswirksamer Manier präsentiert: Bruce Willis schleppt sich kahlgeschoren, keuchend und sabbernd durch die Szenerie, Brad Pitt wurde per Glasauge und motorische Störungen jede Attraktivität ausgetrieben. Obendrein verlangt die finstere Story vom Publikum aktives Mitdenken. Nett berieselt wird man von "12 Monkeys" jedenfalls nicht.

    Plot des Endzeit-Kunstwerks: Die Terroristengruppe "Bruderschaft der zwölf Affen" (daher der Filmtitel) hat im Jahr 1996 die Erde mit einem tödlichen Virus überzogen. Knapp 40 Jahre später: Nur wenige Menschen haben überlebt - und hausen in einem unterirdischen Labyrinth. Einer von ihnen, James Cole (Bruce Willis), wird auf eine Reise in die Vergangenheit geschickt, um mehr über den Ausbruch der modernen Pest zu erfahren. Er landet zunächst im Jahr 1990 - splitternackt und panisch. Cole wird in die Irrenanstalt eingewiesen, wo er den geisteskranken Jeffrey (Brad Pitt) kennenlernt. Der scheint auf mysteriöse Weise in den Ausbruch der Seuche verwickelt zu sein. Cole kann aus der Klapsmühle fliehen und ins Jahr 1996 weiterreisen. Hier versucht er gemeinsam mit der Psychologin Kathryn Railly (Madeleine Stowe), den Ereignissen endgültig auf den Grund zu gehen. Dabei stellt er fest, daß alles ganz anders war als vermutet...

    Die größte Überraschung bei diesem surrealen Abenteuer ist, daß Ex-Monty-Python Gilliam mit Humor geizt. Die wenigen Scherze seines Films sind derart zynisch, daß sich ein Würgereiz ins Lachen mischt. Statt dessen ist "12 Monkeys" voller Melancholie, Resignation und Aggressivität. Selbst die eingestreute Liebesgeschichte ist eher frustrierend als anrührend. Gilliams Spielart des Science-fiction-Films ist ein Höllenritt aus morbiden Bildern und vorwurfsvollen Fragen, den man nicht so schnell vergißt. Die Geschichte bleibt im Kopf des Zuschauers kleben, spinnt sich weiter und kommt fetzenweise noch Wochen später wieder hoch. Ob man will oder nicht.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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