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  • Kritik: Thriller, Lovestory und Vergangenheitsbewältigung

    Hamburg - Ein Stück deutscher Vergangenheitsbewältigung, eine Liebesgeschichte, ein spannungsreicher Thriller, ein Brückenschlag von alter zu neuer Welt: Das alles will "Meschugge", der neue Film von Dani Levy und Maria Schrader, bieten - und vieles davon gelingt ihm auch.

    Das Film-Paar hat sich mit dem anspruchsvollen Projekt, das am Donnerstag (11. März) in die Kinos kommt, einen langgehegten Wunsch erfüllt und in seiner vierten Zusammenarbeit neben den Hauptrollen auch das Drehbuchschreiben übernommen.

    Angesiedelt zwischen deutscher Provinz und amerikanischer Metropole erzählen Schrader und Levy die Geschichte von Lena und David, die sich in New York kennen und lieben lernen, ohne zu wissen, durch welche verhängnisvollen Geschehnisse der Vergangenheit ihr Schicksal bereits miteinander verknüpft ist. Was sich als unbeschwerte Liebesgeschichte in den liberalen jüdischen Kreisen Manhattans anläßt, entpuppt sich zunehmend als schwer durchdringbares Geflecht, das in die deutsche Nazi-Zeit zurückreicht. Als Anregung diente dazu diente dem Duo Andre Kaminskis Roman "Nächstes Jahr in Jerusalem".

    Ausgangspunkt: Im Deutschland der späten 90er Jahre geht die Fabrik eines jüdischen Geschäftsmannes, Lenas Großvater, in Flammen auf. Die öffentliche Empörung ist groß. Doch mit dem Feuer brennt Stück für Stück auch ein geheimes Lebensgerüst aus Lügen, Intrigen, Schuld und Sühne nieder - keiner der zunächst so souveränen Beteiligten aus mehreren Generationen wird aus diesem Flächenbrand unverändert hervorgeht.

    "Wenn eine aus unserer Generation, wie Lena oder ich, glaubt, sie wäre frei von allem, sie könne nach New York gehen, und ihr Leben erfinden, dann täuscht sie sich. Von einem Moment auf den anderen entdeckt Lena ihre Unfreiheit, wer sie ist, warum sie es ist", sagt Schrader, die für ihren Part einer Jüdin und Lesbierin zur Nazi-Zeit ("Aimee und Jaguar") gerade den Silbernen Berlinale-Bären erhielt. Ihr Partner Levy ergänzt: "'Meschugge' ist ein Film über Schweigen, Verdrängen, Vertuschen. In vielen Familien gibt es eine geheime Vergangenheit, von der die Kinder nichts ahnen."

    Solche verschüttete Lebensspuren versucht der Film aufzudecken - doch trotz einer raffinierten Kameraführung und virtuoser Schnittechnik greifen die einzelnen Ebenen des Films nicht immer reibungslos ineinander, Liebesgeschichte und Thriller holpern manchmal etwas bemüht nebeneinander her. So wirkt - bei aller Freude, deutsche Schauspieler zur Abwechslung mal über den Dächern New Yorks statt Hamburgs hantieren zu sehen - manche Kameraeinstellung vor der berühmten Skyline allzu sehr als Postkartenmotiv. Und auch der jüdische Anwalt und Nazi-Jäger Kaminski (David Strathairn) tigert, schlaksig, heruntergekommen und Kaffee aus dem Pappbecher schlürfend, wie ein Klischee seiner selbst rastlos durch den Film.

    Trotz dieser Abstriche hat "Meschugge" jedoch etwas zu bieten, was viele deutsche Filme nach wie vor vermissen lassen: Eine von vorne bis hinten schlüssig durchstrukturierte und tragende Story, die Ernsthaftigkeit mit Unterhaltung zu verbinden weiß.

    Andrea Barthelemy, dpa

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