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  • Kritik: Thomas Vinterbergs Drama nach "Dogma 95"

    Eine revolutionäre Reduktion liefert den Rahmen für Thomas Vinterbergs Familiendrama "Das Fest". Das schockierende, aufsehenerregende Werk des 29jährigen Dänen gewann 1998 den Spezialpreis der Jury des Filmfestivals von Cannes. Vinterbergs Film ist ein Befreiungsschlag im doppelten Sinn: für die Hauptfiguren ebenso wie für das dänische Kino.

    Formal puritanisch, inhaltlich explosiv - diese Kurzformel trifft sowohl auf "Das Fest" als auch auf "Idioten" von Lars van Trier (Filmstart voraussichtlich im Frühjahr) zu. Beide Werke wurden auf der Grundlage einer Vereinbarung zwischen vier dänischen Regisseuren produziert. Dieses Kollektiv nennt sich "Dogma 95" und will der Dominanz des vorhersehbaren High-Tech-Kinos amerikanischer Machart entgegenwirken.

    Ihre Regeln erlauben keine Kulissen, gedreht wird ausschließlich an realen Schauplätzen und nur mit der Handkamera; optische Spielereien, spezielle Beleuchtung, Nachvertonung, oberflächliche Action und zeitliche Verfremdung sind verboten.

    Durch diese Einschränkungen konzentriert sich "Das Fest" automatisch auf Charaktere und Handlung. Fröhlich und harmonisch soll die Feier sein, mit der die Familie den sechzigsten Geburtstag ihres Oberhauptes, des Hoteliers Helge (Henning Moritzen), begeht. In seiner Tischrede bezichtigt der älteste Sohn Christian (Ulrich Thomsen) den Jubilar jedoch eines ungeheuerlichen Vergehens. Indirekt sei der Vater am Selbstmord seiner Zwillingsschwester schuld, da er Linda und ihn selbst als Kind mißbraucht habe. Die Reaktion der Festgesellschaft ist zunächst gleich Null. Während Christian weiter fest entschlossen ist, die fadenscheinige Idylle zu enttarnen, müht sich die Familie mit aller Macht, den schönen Schein zu wahren und jegliche Störfaktoren auszuschalten. Doch es gibt kein Zurück, Häßliches bahnt sich seinen Weg an die Oberfläche.

    Vinterberg inszenierte das krasse Psychodrama als verstörende Farce, deren unerbittliche Direktheit durch die Wahl der Mittel unterstrichen wird. Nicht der Schauspieler stellt sich auf die Kameraposition ein, sondern die kleine Handkamera folgt der Action und belauert die Beteiligten häufig ohne daß sie es merken.

    Die Maßgabe, keine Nachvertonung einzusetzen, wirkte für Hauptdarsteller Ulrich Thomsen als Inspirationsquelle: "Während einer Nahaufnahme würden normalerweise fast alle Komparsen das Set verlassen, die Geräusche der Party, wie zum Beispiel Besteckklappern, würden erst in der Postproduktion dazugemischt. Die Dogma-Regeln erlauben das nicht. Dadurch war die Illusion für uns Schauspieler die ganze Zeit über präsent."

    Der intensive Realismus bleibt nicht folgenlos. Paprika Steen, im Film Christians ältere Schwester Helene, berichtet im dpa-Gespräch von Reaktionen des dänischen Kinopublikums: "Es gab Leute, die sind in Ohnmacht gefallen, haben aber darauf bestanden, 'Das Fest' zu Ende zu sehen. Und das bei einem Film, der keine Gewalt oder dergleichen zeigt, nur Dialoge und Schauspielkunst!"

    Silke Weiss, dpa

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