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  • Kritik: Thema Retorten-Menschen

    Folgt nach den geklonten Schaf Dolly in Zukunft nun der "Designer-Mensch" aus dem Reagenzglas? Mit dieser aktuellen Thematik beschäftigt sich der neuseeländische Autor und Regisseur Andrew Niccols in seinem intelligenten Science-Fiction-Thriller "Gattaca", der in blaustichigen kühlen Bildern einen skeptischen Blick auf diese "schöne neue Welt" wirft.

    In diesem durchorganisierten Orwellschen Staat mit kontrollierter Klassengesellschaft hängt der gesellschaftliche Stellenwert vor allem von der richtigen Gen-Kombination ab.

    Vincent Freeman (Ethan Hawke), der noch auf natürliche Weise gezeugt wurde, gilt dort als ein "Untauglicher" ohne eine Chance auf eine berufliche Karriere. Schon als Junge muß er feststellen, daß er sich stark von seinem jüngeren Bruder Anton (Loen Dean) unterscheidet. Dieser, der nach den Wünschen der Eltern als Prototyp eines gentechnisch perfekten Laborprodukts "entworfen" wurde, stehen hingegen alle Türen offen. Trotz seiner Kurzsichtigkeit will sich Vincent nicht mit dem ihm zugewiesenen Schicksal abfinden. Sein Traum: Er möchte als Raumfahrer des Gattaca-Konzerns zum Titan, dem 14. Mond des Saturn, fliegen.

    In seinem Debütfilm setzt sich Andrew Niccol mit einer Entwicklung auseinander, die schon in naher Zukunft möglich werden könnte, denn nicht nur der genetische Fingerabdruck ist bereits Realität. Schon heute können Schäden im Erbgut durch Gen-Chips schnell aufgedeckt werden, und Wissenschaftler beschäftigen sich bereits mit Genen von Babies, bevor sie überhaupt geboren werden. Wissen die Forscher erst, wie die Gene manipuliert werden müssen, könnte sogar die Lebenszeit der Menschen verlängert oder ihr Intelligenzquotient verändert werden.

    Dieser vielschichtige Zukunfts-Thriller beschreibt aber nicht nur die immanente Sehnsucht der Menschheit nach Vollkommenheit, sondern auch die daraus folgenden emotionalen Defizite. Vincent, der sich seiner Schwächen durchaus bewußt ist, schlägt das System mit seinen eigenen Waffen. Bei der Inszenierung von "Gattaca" hat Andrew Niccol auf knallige Spezialeffekte verzichtet. Stattdessen spielt er mit Metaphern und Symbolen, um den Horror des unmenschlichen Perfektionismus zu zeigen. Dabei wirft er zwar Fragen nach Moral und Ethik der Gen-Technologie auf, verdammt aber nicht pauschal die Forschung.

    Birgit Heidsiek, dpa

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