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  • Kritik: "The Birdcage"

    Mit dem Goldschmuck, den Robin Williams am behaarten Körper trägt, könnte man die Auslage eines Juweliergeschäfts arrangieren. Die Garderobe vieler männlicher Darsteller würde ausreichen, um damit die Regale einer Damenboutique zu füllen. In Mike Nichols' Remake des französischen Kultfilms "Ein Käfig voller Narren" stehen kreischende und zickige Fummeltunten im Mittelpunkt.

    Robin Williams, von jeher auf schräge Vögel spezialisiert und spätestens seit seiner Rolle als "Mrs. Doubtfire" mit Frauenkleidern vertraut, spielt Armand, den ebenso gutmütigen wie geschäftstüchtigen Besitzer des Travestie-Nachtclubs "Birdcage" im Art-déco-Viertel von Miami. Er lebt seit Urzeiten mit Starina alias Albert (Nathan Lane) zusammen, dem mimosenhaften Star seiner Glamour-Show. Das Leben des schwulen Paars könnte in einigermaßen harmonischen Bahnen verlaufen, würde sich nicht eines Tages eine Katastrophe anbahnen: Armands erwachsener Sohn Val (Dan Vutterman), Zeugnis eines einzigen Seitensprungs mit einer Frau, trägt sich mit Heiratsplänen. Doch Vals Auserwählte ist ausgerechnet die Tochter des erzkonservativen Senators Keeley (Gene Hackman). Und dieser besteht vehement darauf, die Eltern seines zukünftigen Schwiegersohns persönlich kennenzulernen. Da heißt es für Vater und Sohn in die Trickkiste greifen.

    Vals Mutter Katharine (Christine Baranski) spielt mit und sagt zu, für ein paar Stunden Armands traute Ehefrau zu spielen. Doch ausgerechnet an dem Abend, als der patriarchische Senator nebst spießiger Gattin (Calista Flockhart) in dem flugs auf bürgerlich getrimmten Domizil von Albert und Armand auftaucht, bleibt Katharine im Stau stecken. Was wiederum Albert auf die glorreiche Idee bringt, für alle völlig unerwartet als Vals Mutter zu erscheinen. Bis die echte Mom an der Tür klingelt . . .

    Wer das Original von Eduardo Molinaro kennt, in dem Michel Serrault und Ugo Tognazzi als wunderbar spleeniges Tuntenpaar revoltieren, wird von dem amerikanischen Remake enttäuscht sein. Zwar kann die Besetzungsliste perfekter nicht sein, liefern sich Williams und Lane pausenlose Wortgefechte von Frau zu Frau, doch der subversive, rabenschwarze Humor der Vorlage wurde hollywoodgemäß entschärft. Lediglich Gene Hackman als politisch korrekter sittenstrenger Moralapostel, der am Schluß sein fest zementiertes Weltbild in Stücke zerspringen sieht, als er sich, geschminkt wie eine Drag Queen, vor der Presse aus dem "Birdcage" davonstehlen muß, sorgt für leidliche Politsatire. Doch sonst hangelt sich die Komödie zäh von einer überdreht-albernen Situation zur anderen, ohne wirklich komisch zu sein.

    Eine Ausnahme bilden die Auftritte von Hank Azaria als nuschelndes südamerikanisches "Dienstmädchen" Agador.

    Copyright: , 17.5.1996

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