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  • Kritik: Teufelsweib in schwerer See

    Wasser hat keine Balken. Vielleicht können sich Filme, die aufs nasse Element bauen, deshalb nicht lange in den Kino-Charts halten. Tatsache ist jedenfalls: Seit dem Ende der goldenen Fünfziger erlitt fast jedes Kinoabenteuer, das auf den sieben Weltmeeren spielt, Schiffbruch. Die "Meuterei auf der Bounty" (1961) mit Marlon Brando geriet ebenso zum kommerziellen Fiasko wie Roman Polanskis "Piraten" (1986). Auch das jüngste Unternehmen, das 90-Millionen-Dollar-Spektakel "Die Piratenbraut", ging an den Kinokassen in den USA baden und spielte gerade mal elf Millionen Dollar ein. Durch diesen Flop zog das schlecht besuchte Leinwand-Happening auch noch seine Produktionsfirma mit in die Tiefe: Das finanziell ohnehin angeschlagene Hollywoodstudio Carolco, das einst mit "Rambo" und "Terminator 2" kräftig absahnte, mußte vor sechs Wochen Konkurs anmelden.

    Die Entstehungsgeschichte des Films ist fast noch spannender als das fertige Produkt: Zuerst hieß es, Geena Davis würde die Hauptrolle in Paul Verhoevens Freibeuterfilm "Mistress Of The Sea" spielen. Als Verhoeven vom Projekt absprang, wollte man Davis' Ehemann Renny Harlin ("Cliffhanger") als Regisseur verpflichten. Doch der hatte mehr Lust, seine Gattin in einem anderen Seeräuber-Epos in Szene zu setzen: als "Die Piratenbraut". Ihr Partner, so munkelte die Fachpresse, werde Michael Douglas sein. Doch der schien plötzlich keine Lust mehr zu haben und wurde klammheimlich gegen Matthew Modine ausgetauscht. Auch der Drehort wechselte: von der Karibik nach Malta.

    Die Produktionskosten stiegen um mehr als 60 Prozent. Und schließlich meldeten die Klatschreporter noch einen handfesten Ehekrach zwischen Geena und ihrem Gatten Renny... Das alles merkt man dem Streifen nicht an: Die Geschichte der wackeren Piratin Morgan, die mit dem Schurken Shaw (M. Modine) auf Schatzsuche geht und von ihrem heimtückischen Onkel Dawg verfolgt wird, ist aus einem Guß: bekennend altmodisches Abenteuer-Kino mit spektakulären Effekten und frotzeligem Humor. Genau so wäre die Story auch vor 50 Jahren verfilmt worden - nur hätte statt einer Frau wahrscheinlich Burt Lancaster die Hauptrolle gespielt. Spaß an diesem pyromanischen Takelagen-Tamtam werden alle Zuschauer haben, deren nostalgische Ader noch durchblutet ist. Doch von denen - für die Erkenntnis hat Carolco teuer bezahlt - gibt es offenbar nicht mehr allzu viele...

    Copyright: TV TODAY, 1996

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