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  • Kritik: Terry Gilliams "Twelve Monkeys"

    Dieser Film ist wie eine Fahrt durch die Geisterbahn. Wer sich jemals nach dem tieferen Sinn der plötzlich um die Ecken springenden Teufelchen, der von der Decke schwebenden Gespenster oder eines aus einer Kiste hervorlugenden Skelettes gefragt hat, hat die wenigminütige Fahrt nicht recht genießen können. Denn es geht tatsächlich nur um das Erlebnis des kurzfristigen Schreckens, den prallen optischen Effekt. Weitergehende Interpretationen sind völlig ungeeignet und absolut überflüssig.

    Mit dem Film von "Brazil"-Regisseur Terry Gilliam ist es ganz genauso. Wer kann ernstlich danach fragen, warum der Schwerverbrecher James Cole (Bruce Willis) als Kind blaue und jetzt braune Augen hat, wenn wir mit ihm immer wieder das gleiche Trauma erleben - ein Flughafen, viele Menschen, plötzlich ein Schuß, Panik, ein kleiner Junge stirbt. Er selbst ist es wohl, der hier seinen eigenen Tod erlebt.

    Es geht wieder einmal um die vom Kino immer wieder gern durchgespielte Frage nach der Definition von Raum und Zeit. Kann man als Zeitreisender in die Vergangenheit sein eigenes Schicksal bestimmen, in andere als die scheinbar vorgegebenen Bahnen lenken?

    Bei Cole ist das ein ganz offizieller Auftrag: Denn wir befinden uns im Jahr 2035, und ein Virus hat die Menschheit im Jahre 1996 dahingerafft, weswegen die Tiere nun die Herrschaft übernommen und der kümmerliche Rest der Menschen im Untergrund in riesigen Käfigen dahinvegetiert. Cole soll via Zeitmaschine zurück und die Ursachen für die Epidemie erforschen und, wenn möglich, beseitigen.

    War der Ebola- oder der Aids-Virus für das Massensterben verantwortlich? Oder keiner von beiden? Gilliam, Ex-Mitglied der Monty Python-Komikertruppe, beantwortet solche Fragen nicht, weil er wie ein kleines Kind spielen und nicht wie ein Lehrer erklären will.

    Spielen mit den verschiedenen Zeitebenen, wenn Cole, zunächst fehlgeleitet, im Jahre 1990 und dann erst ins Katastrophenjahr 1996 ankommt und mit ihm auch der Zuschauer bald nicht mehr weiß, in welcher Wirklichkeit er sich befindet. Spielen mit den Erwartungen der Zuschauer, wenn Gilliam Schönling Brad Pitt als durchgeknallten Wissenschaftlersohn mit stark verdrehten, riesigen braunen Augen, wild rudernden Armen und stets gekrümmtem Mittelfinger vor sich hin bramarbasieren läßt.

    Spielen aber vor allem mit dem Medium Film, dessen visuelle Möglichkeiten Gilliam voller Phantasie ausnutzt. Seine kleinen Figuren läßt er durch riesige surreale Bauten wandern. Die Kamera, mal zufällig gekippt, mal üppig schweifend, schwirrt rastlos durch diese alptraumhafte Szenerie dunkel schimmernder Zeiten-Tunnel, zerbröckelter Monumentalbauten und überdimensionaler Menschenkäfige. Und sorgt dabei beim Zuschauer für jene angenehme Verwirrung, die auch jeder Geisterbahn-Besucher empfindet.

    Wer die Logik außen vor läßt, wird an diesem außergewöhnlichen Science-Fiction-Film sein Wahnsinnsvergnügen haben. Wer nach ernsthaften Erklärungen sucht, sollte die Finger davon lassen.

    "12 Monkeys" (USA) 1995: 130 Minuten. Freigegeben ab 16 Jahren. Startet mit 300 Kopien. Regie: Terry Gilliam. Drehbuch: David und Janet Peoples. Kamera: Roger Pratt. Musik: Paul Buckmaster. Darsteller: Bruce Willis, Madeleine Stowe, Brad Pitt, Christopher Plummer, Joseph Melito, Jon Seda, Michel Chance.

    Copyright: , 21.3.1996

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