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  • Kritik: Terrence Malicks grandioses Epos

    Eine unversehrte tropische Insel irgendwo in den Weiten des Pazifiks, das gelassene Leben der Eingeborenen darauf, unter ihnen ein staunender, gutaussehender junger Weißer. Er streift durch die vor Grün strotzende Natur, begegnet offenen Gesichtern und vergnügt umhertollenden Kindern. Nichts, überhaupt nichts deutet in dieser traumhaft schönen Idylle auf Tod, Zerstörung und Leid.

    Doch als der Weiße, dessen Aufenthalt so rätselhaft, aber auch so beneidenswert erscheint, aufs Meer blickt, sieht er ein Marineschiff am Horizont. Damit gerät der Sturm in den Blick, der seine Spur der Verwüstung durch das Paradies ziehen wird.

    Der Sturm, das ist der Krieg zwischen den amerikanischen Landetruppen und den japanischen Besatzern. Schauplatz des mit größter Erbitterung geführten Kampfes ist 1942 die Insel Guadalcanal in der Salomon-Gruppe. Bis hierhin haben sich die Soldaten des Tennos bereits festgesetzt, von dort sollen sie nach dem Willen der US-Militärs vertrieben werden. Denn Guadalcanals Lage gilt als strategisch wichtig für die Schlacht um die Vorherrschaft im pazifischen Raum. Der Weiße ist der störrische Soldat Witt, der sich von der Truppe entfernt hatte, weil er wenig von den Absichten der Generäle hält, deren Macht aber auch er sich nicht entziehen kann.

    Doch bis in dem knapp dreistündigen, ab 25. Februar anlaufenden Film "Der schmale Grat" geschossen wird, vergeht noch gut eine halbe Stunde. Und nicht nur das macht den völligen Unterschied zwischen dem grandiosen Werk von Terrence Malick, das am Sonntag als Sieger der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet wurde, und Steven Spielbergs Kassenhit "Der Soldat James Ryan" aus. Denn Malicks Film ist eine bildmächtige, im besten Sinne irritierende Meditation über den Krieg, Spielbergs Produkt trotz mancher Qualitäten eben doch nur ein Kriegsfilm mit Westernmoral. Es ist der Unterschied zwischen einem Werk der Leinwandkunst und einem Vorzeigewerk der Kinoindustrie.

    Auch Malick, der nach seinem gefeierten Streifen "In der Glut des Südens" aus dem Jahre 1978 zwei Jahrzehnte nicht mehr gedreht hatte, zeigt sterbende Soldaten, dramatische Kampfszenen und menschliche Konflikte in extremen Situationen. Doch wo Spielberg in seinem Film - mit Ausnahme der furios-blutigen ersten halben Stunde - stets den Massengeschmack im Blick hat und dazu noch ein Übersoll an Patriotismus ableistet, demonstriert Malick tiefes Desinteresse. Er präsentiert bestenfalls Helden wider Willen, die noch im Sieg ahnen, daß sie einen zu hohen Preis gezahlt haben. Denn am Ende ist das Paradies geschändet, sind die Toten verscharrt und Seelen wund.

    Keine Szene könnte den eigenwilligen Geist diese Filmes besser illustrieren als diejenige, in der die amerikanischen Marinesoldaten durch hohes Gras dem sich noch verborgen haltenden Feind schwitzend und unter Angststreß entgegenmarschieren.

    Plötzlich kommt ihnen aus der Gegenrichtung ein älterer, fast unbekleideter Eingeborener Guadalcanals entgegen und läuft achtlos, gerade deshalb aber zutiefst eindrucksvoll an den verblüfften Uniformierten vorbei. Es ist eine Szene von größter Magie in einem Film, dessen philosophierendes Raunen nach dem Ende keineswegs verstummt.

    Viele männliche Hollywood-Stars treten in diesem Film auf, darunter Sean Penn, Woody Harrelson, Nick Nolte, John Cusack, in Kurzauftritten auch John Travolta und George Clooney. Sie alle rissen sich darum, in Malicks nicht überteurem Film für geringere Gagen als sonst mitwirken zu können. Sie waren sich dabei bewußt, daß "Der schmale Grat" keinen Laufsteg für brillante Einzelauftritte bieten würde. Aber sie ahnten und hofften, in einem Film zu agieren, der so unvergänglich werden könnte wie Stanley Kubricks geniale Weltraumvision "2001". Malicks Werk, kein Kassenschlager in den USA, ist ein großer Wurf, dessen Bedeutung mit der Zeit wachsen wird.

    Wolfgang Hübner, AP

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