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  • Kritik: Teenies im Fadenkreuz regionaler Filmförderung

    Was machen eigentlich 15jährige Mädchen in Deutschland? Eine gewichtige Frage. Wie kann die öde Fußgängerzone in Essen Kulisse werden? Eine andere Frage. Gemeinsam ist beiden Fragen, daß sie die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen nicht ruhen ließen. Was dabei herauskommt, wenn sie beantwortet werden, zeigt die deutsche Teenager-Komödie "Freundinnen und andere Monster" der Regiedebütantin Mika Kalwass ab dem 9. Juli.

    Aber es ist recht erbarmungswürdig, was die 34jährige Kölnerin mit "Lindenstraßen"-Erfahrung präsentiert. Und einmal mehr beweist sich, wie weit viele deutsche Produktionen von internationalem Niveau entfernt sind.

    "Freundinnen und andere Monster" handelt von einem 15jährigen Mädchen, der von der stupsnäsigen Wolke Hegenbarth verkörperten Katja, die vom idyllischen Provinzort samt Reitpferd und Fachwerk in die Großstadt Essen umziehen muß. Dort weht ein rauherer Wind. Katja begegnet an der neuen Schule der wildesten Girliebande und möchte sich nur zu gerne dieser anschließen. Doch so leicht kommt niemand in den verschworenen Kreis um Miriam, Anika, Nic und Doro hinein. Was die vier Ruhrpottgewächse am meisten stört: Die kecke Katja ist trotz ihres 'fortgeschrittenen' Alters immer noch nicht entjungfert.

    Folglich steht Katja vor einem Problem, das sie in den 89 Filminuten nach den Vorstellungen der Drehbuchschreiber lösen soll. Denn Thomas Springer und Katya Springer, so die Namen der beiden Autoren, fragten sich nicht nur, warum es noch keinen Film über 15jährige Mädchen gibt, sondern dann auch, was diese eigentlich anstellen. Bei ihren Feldforschungen stellten sie - wie verwunderlich - fest, daß sich weibliche Wesen diesen Alters für Cliquen, Freundinnen und Jungs interessieren. Es ist ein Stück Realsatire, wenn die Verleihfirma verkündet: "Bei so brandheißen Themen war es für das Drehbuchteam auch keine große Schwierigkeit, eine Geschichte daraus zu stricken."

    Die Strickerei wäre erfreulich folgenlos geblieben, hätte nicht Nordrhein-Westfalens ehrgeizige Filmförderung sich "begeistert von der Idee zu einer deutschen Teenie-Komödie" gezeigt. Dieter Kosslick, als Chef der Filmstiftung virtuoser Multifunktionär mit genauer Kenntnis des deutschen Subventionsdschungels, doch weder Dramaturg noch Marketingfachmann, befand nämlich: "Uns hat der freche, lebendige Ruhrpott-Charakter dieser jugendlichen Geschichte auf Anhieb gut gefallen". Und Gert K. Müntefering vom WDR entdeckte: "Es ist eine Beschreibung dessen, was Jungen und Mädchen an sich hassen und lieben, manchmal sogar zur gleichen Zeit. In so einer Geschichte steckt sehr viel Potential."

    Da aber weder eine witzige, originelle, geschweige denn halbwegs beeindruckende Geschichte auf der Leinwand zu sehen ist, kann Müntefering wohl nur jenes Potential gemeint haben, das einzig der Förderung der ehrgeizigen Medienindustrie in Nordrhein-Westfalen dient. Denn allzu offensichtlich wird dem Zuschauer bei "Freundinnen und andere Monster" offengelegt, welches das Hauptmotiv war, diesen fürs Kino ganz unerheblichen Streifen mit mittlerem TV-Niveau zu machen: Endlich sollten nicht nur jene Essener Fußgängerzone, sondern auch die Elektrizitätshalle in Köln-Mülheim sowie der Stadtkern von Wülfrath mal ganz groß ins Bild kommen. Es gibt schon sehr eigentümliche Gründe, Filme zu drehen.

    Wolfgang Hübner, AP

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