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  • Kritik: Teenagerträume unter der Schwebebahn

    Romantische Nebenwirkung: Jessica Schwarz und Daniel Brühl verlobt

    Im vergangenen Jahr erzählten die Filme "Crazy" und "Die innere Sicherheit" schwierige und dennoch lebendige Jugendgeschichten und kassierten dafür positive Kritiken.

    "Ich bin 19 Jahre alt und ich habe noch nie gefickt", stellt sich Daniel vor, der Held in Benjamin Quabecks erstem abendfüllenden Spielfilm "Nichts bereuen". Damit ist ein grober Ton angeschlagen, aber der Film entwickelt allmählich Humor und Atmosphäre.

    Nach Abitur und Surfurlaub leidet Daniel (Daniel Brühl) in Wuppertal an der unerfüllten Liebe zu Luca und an seinem Zivildienst in der Kirchengemeinde. Das Familienleben wird zu eng. Als er sich selbst in der Kirche am Kruzifix aufhängt, um Luca zu beeindrucken, bringt ihm das (zwangsweise) eine neue Zivistelle bei einem Pflegedienst und mit der aufregenden Krankenschwester Anna eine mehr als erträumte Romanze. Am Ende dieser Initiationsgeschichte ist Daniel aber nicht erwachsen, sondern (noch) erst recht unverantwortlich und bereut es nicht. Vom Jugendrichter zu seinem Tankstellenraub befragt sagt Daniel: "Ich wollte es machen, so lange es mir noch Spaß macht."

    Ein wenig rau und unreif, wie der Protagonist, erscheinen die mit unruhiger Handkamera, SteadyCam und Zeitlupe experimentierenden Bilder. Der Stil korrespondiert mit der Geschichte. So schablonenhaft, wie Daniels Monolog zu Anfang befürchten lässt, geht es im Film nicht zu. Witzig und manchmal schmerzhaft lebensnah inszeniert Quabeck das Windelnwechseln bei Oma Grieger oder die lust- und ahnungslosen sexuellen Versuche von Daniel und Steffi, die eigentlich keinen Draht zueinander haben. Das ist nicht immer schön anzusehen, und Daniel ist auch kein besonders sympathischer Held. Heraus kommt eine einfühlsame, manchmal selbstmitleidige Jungsgeschichte.

    Dafür, dass die Geschichte echt wirkt, sind vor allem die Darsteller verantwortlich. Neben Daniel Brühl ist Marie-Lou Sellem ("Winterschläfer") als Anna präsent und aufregend, während die Viva- Moderatorin Jessica Schwarz als Luca die unerreichte Traumfrau zum Anschauen bleibt. Romantische Nebenwirkungen blieben allerdings nicht aus: Seit dem Dreh sind Jessica Schwarz und Daniel Brühl verlobt.

    Der 25-jährige Benjamin Quabeck drehte "Nichts bereuen" als Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg und schrieb auch selbst die Drehbuchvorlage. Ausgezeichnet wurde er für seinen Kinoerstling bereits im Juli mit dem mit 80.000 Mark dotierten Regieförderpreis der HypoVereinsbank, den vor ihm unter anderem Vanessa Jopp, Sönke Wortmann und Oskar Roehler erhielten.

    Nina Lepsius, dpa

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