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  • Kritik: Teenagerdrama von Todd Solondz

    Die zwölfjährige Aviva will ein Kind bekommen und wird schwanger. Die unbarmherzige Mutter des Schulmädchens (Ellen Barkin) zwingt Aviva zur Abtreibung. Verstört steigt Aviva in den Laderaum eines Lastwagens und haut aus ihrem amerikanischen Mittelklasse-Heim ab - der Beginn einer verwirrenden Reise durch die USA, eines oft grausamen Filmmärchens, in dem Aviva in einem Motelzimmer mit einem Fernfahrer schläft und bei einem ultrachristlichen Heim für verstoßene Kinder unterkommt.

    Seitdem Todd Solondz vor zehn Jahren in dem Film «Willkommen im Tollhaus» ein kleines, von den anderen Kindern gehänseltes Mädchen porträtierte, hat der Erzähler ungewöhnlicher Außenseitergeschichten vor allem in Europa eine Fangemeinde. In «Palindromes» - der Ausdruck bezeichnet von hinten und vorne gleiche Wörter wie «Aviva» - stürzt der US-Regisseur die Zuschauer mehrfach ins Ungewisse.

    Mit der Figur des Mädchens, das Sex mit Erwachsenen hat, spielt Solondz mit einem skandalösen Thema. Aviva lässt sich freiwillig auf die Sache ein. Für sie ist das ein verkorkster Versuch, den Zwängen um sie herum zu entkommen. Die widerwärtige Realität der Kinderprostitution blendet Solondz aus.

    Was sich dann im vorübergehenden Zufluchtsort Avivas, einem skurrilen Kinderheim irgendwo auf dem Land abspielt, ist komisch, zwischen Milieugenauigkeit und Satire. Die bigotte Leiterin und ihr ultraorthodoxer Mann sind hinter aller vordergründigen Hilfsbereitschaft brutal. Im Hintergrund plant diese Gesellschaft einen Mord auf einen Abtreibungsarzt, an dem Aviva mitwirkt. Zuletzt landet sie wieder bei ihren Eltern - auf einer spießigen Gartenparty.

    Solondz hat sich einen seltsamen Kniff ausgedacht: Aviva wird im Lauf des Films von acht verschiedenen Darstellerinnen und Darstellern gespielt, darunter auch von zwei Erwachsenen. Die einzelnen Etappen von Avivas Weg erscheinen so als Episoden mit immer neuen Gesichtern. Die vielgestaltige Aviva wird dem Zuschauer als Mensch immer wieder entrückt. Das macht die trostlose Geschichte etwas leichter verdaulich, weil dem Zuschauer keine eindeutige Identifikationsfigur geboten wird. Der Film hebt Avivas wenig erbauliche Erlebnisse auf eine metaphorische Ebene, die dem Ganzen etwas Geheimnisvolles gibt.

    dpa

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