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  • Kritik: Tarantinos "Basterds" siegen über Nazis

    Rache ist süß. Wenn Adolf Hitler und seine Mannen im Kugelhagel sterben, dann macht sich im Kinopublikum Erleichterung und Befriedigung breit.

    Auch wenn Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" lebenden Nazi-Soldaten Hakenkreuze in die Stirn schnitzen, kann sich der Zuschauer einer gewissen Genugtuung nicht erwehren. Dabei begibt man sich mit solchen Rachegelüsten natürlich auf die gleiche Ebene wie die Täter - Gewalt mit Gegengewalt zu erwidern war noch nie die beste Lösung, obwohl Tyrannenmord zweifellos sinnvoll sein kann.

    Dass Tarantinos 155 Minuten langes Weltkriegs-Märchen nicht in eine blutrünstige Orgie ausartet, dafür sorgt der US-Regisseur mit ungewohnt ruhigen, dafür umso perfideren Szenen - dämonischer Star dieser Sequenzen ist der Österreicher Christoph Waltz, der für seine Rolle als weltgewandter, sadistischer SS-Standartenführer bei den Filmfestspielen in Cannes als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde. Hierzulande sicherte sich Tarantino die Aufmerksamkeit schon allein durch sein großes deutschsprachiges Schauspielerensemble und die Dreharbeiten in den Babelsberger Filmstudios.

    Tarantino verschränkt kunstvoll mehrere Handlungsstränge miteinander: Mit Hollywoodstar Brad Pitt als Anführer schickt er einen Trupp jüdisch-amerikanischer Soldaten hinter die feindlichen Linien im besetzten Frankreich. Dort sammeln die "unrühmlichen Bastarde" Nazi-Skalps. Waltz als SS-Mann Hans Landa wiederum jagt versteckte Juden. Daniel Brühl verliebt sich als NS-Kriegsheld in eine jüdische Kinobesitzerin, die allerdings alle Nazis lieber tot als lebendig sähe.

    Martin Wuttke gibt einen teuflisch lachenden Hitler. Sylvester Groth spielt nach Dani Levys "Mein Führer"-Komödie bereits zum zweiten Mal Goebbels. Til Schweiger tritt als gefährlich fanatischer, deutscher Nazi-Jäger auf. Am Ende treffen alle Protagonisten in einem kleinen Pariser Kino aufeinander, wo ein Anschlag auf die NS-Führung dem Schreckensregime den Garaus machen soll.

    "Ja, man könnte schon sagen, dass das ein Rache-Film ist", meint der 46-jährige Tarantino, der sein Drehbuch frei nach dem B-Movie "Ein Haufen verwegener Hunde" (1978) von Enzo Castellari geschrieben hat. Mit dem Film habe er sich einen lange gehegten Traum erfüllt: "Die Macht des Kinos besiegt das Dritte Reich." Dabei wandelt er irgendwo zwischen Action, Trash, Abenteuer und Cowboy-Lässigkeit, die sich vor allem in der Figur von Pitts Bandenanführer niederschlägt. Auffallend zurückhaltend setzt Tarantino dieses Mal Musik ein, was dem Film gut tut. In der Mitte gibt es einige Längen - man sieht den Regisseur förmlich vor sich, wie er mit sich rang, und am Ende doch nichts kürzte.

    Waltz meint, es sei nicht Aufgabe des Kinos, Geschichte so realistisch wie möglich nachzuerzählen. "Ich halte es nachgerade für verantwortungslos und frevelhaft, Filme zu machen, die den Anschein erwecken sollen, von der Wahrheit zu handeln. Ich halte das für eine Bestätigung der Selbstgerechtigkeit, die einen wirklichen Umgang und eine wirkliche Aufarbeitung, die nach wie vor unerlässlich ist, verhindert." Solche Filme seien lediglich ein "Marketing-Gag", kritisierte Waltz in Anspielung zum Beispiel auf Bernd Eichingers "Der Untergang". Spielfilme seien dazu da, dem Zuschauer eine neue Perspektive auf die Wirklichkeit zu ermöglichen. Humor gehört unbedingt dazu. Und: "Lachen ist eine fast vegetative Erleichterung von Druck."

    Elke Vogel

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