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  • Kritik: Tarantino schlägt mit "Jackie Brown" leisere Töne an

    Berlin - Quentin Tarantino hat es nicht eilig mit dem Filmemachen. Nach seinem Mega-Erfolg "Pulp Fiction", der ihn vor vier Jahren zum neuen Wunderkind Hollywoods machte, gönnte er sich erst einmal eine ausgiebige Erholungspause.

    Monatelang tummelte sich der Regisseur hauptsächlich auf Filmfestivals und in Talkshows, drehte lediglich Episoden - zum einen für eine Fernsehserie, zum anderen für den Kinostreifen "Four Rooms". Er lehnte ein Script nach dem anderen ab, darunter "Speed" und "Men in Black". Ende vergangenen Jahres präsentierte er in den USA seinen neuen Film "Jackie Brown", der ab kommendem Donnerstag in den deutschen Kinos zu besichtigen ist.

    Dem Genre des Gangsterfilms der anderen Art ist der 34jährige Shooting-Star treu geblieben. Wieder inszeniert er eine Geschichte aus der Unterwelt von Los Angeles. Die Vorlage lieferte Bestsellerautor Elmore Leonhard mit seinem Roman "Rum Punch". Darin geht es um eine alternde Stewardess, einen skrupellosen Gangster, das FBI und 500.000 Dollar.

    Jackie Brown (Pam Grier) bessert ihre Einkünfte bei einer schäbigen mexikanischen Fluggesellschaft durch Geldschmuggel für den Waffenschieber Ordell Robbie (Samuel L. Jackson) auf. Eines Tages wird sie verpfiffen und von der Polizei gefaßt. Um der Gefängnisstrafe zu entgehen und obendrein das Vermögen ihres Auftraggebers zu kassieren, spielt die clevere Stewardess mit Hilfe eines findigen Kautionsmaklers (Robert Forster) FBI-Agenten und Gangster gegeneinander aus.

    Tarantino geht in "Jackie Brown" im Gegensatz zu "Pulp Fiction" äußerst sparsam mit Reizen um. Es gibt weniger witzige Dialoge, weniger Action, weniger Blut, weniger Drogen. Das Tempo ist langsamer, die Farben sind blasser und die Figuren konventioneller. Statt eines grellen Popspektakels bietet er eine eher ruhige Charakterstudie. Für die Entwicklung seiner Figuren nimmt er sich viel Zeit. Mehr als eine halbe Stunde dauert es allein, bis der Film richtig in Fahrt kommt.

    Mit der "neuen Langsamkeit" will der Regisseur nach eigenen Worten diesmal auch die ältere Generation erreichen. Dementsprechend hat er auch seine Rollen besetzt. Grier und Forster hatten in den 70er Jahren ihre große Zeit. Pam Grier gilt als Ikone der sogenannten Blaxploitation Movies, einem Protestfilmgenre der Schwarzen in USA. Forster kannte man hauptsächlich aus Actionfilmen und Fernsehserien. Von beiden war seither kaum etwas zu sehen gewesen.

    Den fast vergessenen Filmhelden stellt Tarantino eine Handvoll aktueller Hollywood-Stars gegenüber. Jackson hatte in "Pulp Fiction" mit John Travolta das schräge Killerpaar gemimt. Für seine Rolle in "Jackie Brown" erhielt er einen Silbernen Bären bei den Berliner Filmfestspielen und eine Oscar-Nominierung. In Nebenrollen sind Michael Keaton als FBI-Agent, Robert De Niro als trotteliger Komplize Ordells und Bridget Fonda als nervige Gangsterbraut zu sehen.

    "Jackie Brown" ist ein intelligenter Krimi und eine Hommage an die 70er Jahre. Vor allem ist er kein zweiter "Pulp Fiction". Er habe nie daran gedacht, aufgrund des großen Erfolgs einen Aufguß seines Kultfilms zu produzieren, sagte Tarantino kürzlich in einem Interview. "Ich mache keine Filme für den Moment, ich mache Filme, die man noch in 40 Jahren ansehen wird."

    Michael Fischer, AP

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