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  • Kritik: Tarantino bringt blutiges RacheEpos zu Ende

    Quentin Tarantino hat endgültig den Aufstieg auf den Film-Olymp geschafft. Der zweite Teil seiner gewaltgetränkten Rache-Saga «Kill Bill» wird von Kritikern als Meisterwerk gefeiert - und er selbst kann stolz sein, die komplexe Mischung aus verschiedenen Genres mit Bravour umgesetzt zu haben.

    Dabei unterscheiden sich die beiden «Kill Bill»-Filme gewaltig: War der erste voller Action und blutigen Gemetzels, gibt es zum Abschluss mehr lange Dialoge und den typischen makabren Tarantino-Humor. Und: Der Schurke Bill, im ersten Teil nur mit der Stimme, einer Hand und einem Schuh präsent, tritt endlich voll in Erscheinung.

    Die Vorgeschichte wird nochmal detaillierter erzählt: Die rachelüsterne Braut, gespielt von Uma Thurman, war einst Mitglied eines von Bill angeführten Profikiller-Rings und seine Geliebte. Als sie jedoch eines Tages mitten in einem Auftrag entdeckt, dass sie schwanger ist, taucht sie unter, findet einen harmlosen jungen Mann zum heiraten und will ein neues Leben beginnen. Bill und ihre ehemaligen Komplizen spüren sie auf, stürmen in die Hochzeitskapelle und richten ein Blutbad an. Nach vier Jahren aus dem Koma erwacht, schwört sie erbarmungslose Rache.

    Nachdem die Braut im ersten Film mit zweien ihrer Peiniger abgerechnet hatte, bleiben noch drei auf der Todesliste: Ihre alte Rivalin Elle Driver (Daryl Hannah), Bills jüngerer Bruder Budd (Michael Madsen) und ihr ultimatives Ziel, Bill selbst, gespielt von Kung-Fu-Ikone David Carradine.

    Bill ist vielleicht die furchteinflößendste Figur in Tarantinos Universum, das absolute Böse, völlig frei von Skrupel und Mitgefühl. Der 67-Jährige Carradine, mir dessen Verpflichtung sich der Regisseur einen Jugendtraum erfüllte, sieht es relativ: «Es gibt keine Guten in Tarantino-Filmen. Es geht immer nur um die Bösen.» Schließlich spielt Uma Thurman auch keinen Engel.

    Film-Junkie Tarantino, der sich immer wieder zu seiner Liebe für asiatische Kampfsport-Streifen und Spaghetti-Western bekennt, pendelt virtuos zwischen den Genres. Jedes der zehn Kapitel der beiden Streifen ist eine Hommage an einen anderen Filmstil. Während im ersten Teil vor allem die japanische Kampfkunst im Mittelpunkt stand, die traditionellen Samurai-Filme sowie Fleisch und vor allem Blut gewordenen Manga-Comics, wird Film zwei von China beherrscht.

    Dafür lässt Tarantino einen Kult-Bösewicht der 70er Jahre wieder auferstehen: Mei Pei, einen versierten und brutalen Kampfmeister, der sich gegen die legendären Mönche des Klosters Shaolin stellte. Eine Zeit lang wollte der Regisseur den Part selbst übernehmen, merkte aber schnell, dass die Produktion ihm keine Zeit für ausreichendes Training ließ. Also lud er einen weiteren seiner Kindheitshelden, den chinesischen Schauspieler Gordon Liu ein.

    Mei Pei bildet die Mitglieder des Killerkommandos aus, darunter auch die Braut. Das Kapitel ist in Ästhetik und Bildern komplett einem klassischen chinesischen Kampffilm nachempfunden, selbst die Farben wirken verwaschener. «Ich weiß, wie sie die Filme drehen, und ich mache es genauso», sagt Tarantino selbst zu seinem Spiel mit den Genres. Dazu passt auch die größtenteils im Stil der 70er Jahre gehaltene Musik von Hiphop-Star RZA und Tarantinos langjährigem Weggefährten, dem Filmregisseur Robert Rodriguez. Gedreht wurde vor allem in China, mit einheimischen Studiomitarbeitern.

    Durch «Kill Bill» wird auch deutlich, wie sehr Tarantino in den zehn Jahren seit «Pulp Fiction» die Filmbranche geprägt hat. Elemente seines typischen Stils mit dunkler Exzentrik, dem Hang zu ebenso coolen wie absurden Dialogen sowie dem tabulosen Spiel mit Erzählformen finden sich heute in zahllosen Filmen bis hin zum Kinderkino. Daher wirkt «Kill Bill» - obwohl ein Tarantino-Werk durch und durch - wie ein ganz normaler Film.

    dpa

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