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  • Kritik: Tänzermelodram: Gute Absichten, hausbackene Spielhandlung

    Wenn wirklich 1999 die Welt untergehen sollte, dann ist zuvor wenigstens noch eifrig getanzt worden. Es ist westliche Mode geworden, nach feurigen Latino-Melodien oder vertrauten Oldie-Klängen die Beine übers Parkett zu schwingen. Auch Hollywood, immer ein verläßlicher Trendbeobachter, will da natürlich nicht beiseite stehen.

    Jüngst hat der japanische Film "Shall we dance" gezeigt, daß das Tanzvergügen auch nüchterne Arbeitsbienen aus den Büros in Tokio mitzureißen vermag. Nun legt Amerika nach mit dem Streifen "Dance with me" der Regisseurin Randa Haines, ab dem 1. Juli in den deutschen Kinos.

    Haines und ihr Drehbuchautor Daryl Matthews, zugleich auch Choreograph der Tanzeinlagen, erzählen die Geschichte des armen, glutäugigen Kubaners Rafael, der nach dem Tod der geliebten Mutter endlich den noch unbekannten, in Texas lebenden amerikanischen Vater John Burnett kennenlernen will. Am Flugplatz steht aber nicht dieser rauhbeinige Besitzer eines Tanzstudios, sondern die äußerst attraktive Tanzlehrerin Ruby. Diese macht auf den Neuling in dem Land unbegrenzter Möglichkeiten mindestens so viel Eindruck wie die schönen Autos und der im Vergleich zu Kuba fast unbegreifliche Reichtum.

    Aber mit der verkrampft-disziplinierten Art, wie die Menschen in Amerika zu tanzen pflegen, kommt das Naturkind von der Karibikinsel überhaupt nicht zurecht. Für Rafael ist Tanz pure Lust, erotisches Spiel, Freude an der eleganten Bewegung des Körpers. Für die Leute in dem texanischen Tanzstudio, auch für die geschmeidige Ruby, ist Tanz hingegen harte Arbeit mit Training und Schweiß. In einer Gesellschaft, in der allein das Geld regiert, werden nur diejenigen Tänzer mit Prämien und Pokalen belohnt, die die größte Perfektion aufweisen können. Da fühlt sich Rafael in der Latino-Disko schon viel wohler und zeigt, was er drauf hat.

    Von nun an läuft alles auf das große Finale der Weltmeisterschaften in Las Vegas zu, das allerdings nicht von Rafael, sondern Exliebhaber Julian an Rubys Seite bestritten wird. Aber der Kubaner kommt trotzdem zu seinem großen Auftritt, dafür sorgt - wenngleich in geradezu tolpatschig unglaubwürdiger Weise - das Drehbuch von Matthews, das auch sonst beweist: Gute Tänzer müssen noch längst keine guten Schreiber sein. Denn was Matthews und Raines noch so alles an Konflikten und Nebenfiguren in den Film eingebaut haben, wirkt doch sehr klischeehaft, manchmal gar so peinlich wie die bewegungswütigen Senioren im Studio.

    Dabei hat Randa Haines hat 1986 mit ihrem bewegenden Gehörlosendrama "Gottes vergessene Kinder" schon einmal mehr Talent bewiesen. Offenbar hat sie ihre eigene Begeisterung für Latinoklänge dazu verführt, filmische Schlüssigkeit wie Stil zu mißachten. An den Darstellern hat es weniger gelegen, daß "Dance with me" ein schales Erlebnis bleibt: Puerto Ricos bulliger Hitsänger Chayanne spart in der Rolle des Rafael nicht an Schmachtblicken; Vanessa L. Williams als Ruby zeigt sich beweglich und sexy, sollte sich aber besser nicht mit Shirley MacLaine vergleichen; der knorrige Kris Kristofferson schließlich ist sehenswert wie stets, aber eine grandiose Fehlbesetzung als Tanzstudiobesitzer. Denn Tanzen wird das 63jährige Urgestein bestimmt nicht mehr lernen.

    Wolfgang Hübner, AP

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