40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Südstaaten-Epos der Brüder Coen
  • Kritik: Südstaaten-Epos der Brüder Coen

    Der Name Coen steht in der Filmwelt für ein ebenso gekonntes wie unerbittliches Sezieren des Phänomens der Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft.

    Die Streifen "Blood simple" und "Fargo" machten Joel Coen aus Minneapolis zu einem der wichtigsten Vertreter des zeitgenössischen "film noir" in den USA. Mit "O Brother, Where Art Thou?" hat der Amerikaner, erneut in Zusammenarbeit mit seinem auf Drehbücher spezialisierten Bruder Ethan Coen, jetzt in eine ganz andere Filmkiste gegriffen. Diese Musical-Komödie ist bei aller Ironie eine außerordentliche Liebeserklärung an den amerikanischen Süden und dabei vor allem an Amerikas Musik von Gospel bis Bluegrass.

    Ihre moderne Fassung der "Odysee" von Homer muss den beiden viel Spaß gemacht haben. Als krimineller Lebenskünstler Everett Ulysses McGill bricht der Hollywood-Star George Clooney aus einem berüchtigten Gefängnis des Staates Mississippi aus und sucht angeblich nach einer früher versteckten Beute. Delmar und Pete, nicht gerade die größten Leuchten, haben auch keine sonderliche Lust mehr, als "chain-gang", also aneinander angekettet, Tag für Tag Eisenbahnschwellen zu legen. Das Trio - neben Clooney John Turturro und Tim Blake Nelson - beginnt in der Zeit der großen Wirtschaftskrise eine abenteuerliche Irrfahrt durch Sümpfe und Tabakfelder, die Gesetzeshüter immer auf den Fersen.

    In "O Brother, Where Art Thou?", diesem bibelfrommen Ruf nach dem Bruder, ziehen Joel und Ethan alle Register ihrer Fabulierlust. Und lassen auch kein Klischee aus, um das pralle Leben des amerikanischen Südens komödiantisch in Szene zu setzen. Betrügerische Evangelisten und andere Rosstäuscher tauchen ebenso auf wie verrückte Bankräuber, schmutzige Gouverneurs-Wahlkämpfe, eine zur Lynchjustiz schreitende Mummenschanz-Vorstellung des Ku-Klux-Klan oder jene verführerischen Sirenen - direkt importiert aus der "Odyssee" - am Gestade eines Baches. In dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten findet sich das Trio sogar in einer Art Studio wieder und spielt einen regelrechten Hit ein.

    Bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes im Wettbewerb, rief diese Coen-Komödie bei Presse und Jury nicht die große Begeisterung hervor. Clooney, Star des Festivals, meinte nur launig, er habe zwar gesungen, das sei aber im Film nicht zu hören. Und Joel Coen räumte ein, dass er das Epos von Homer gar nicht kenne.

    Wie dem auch sei: Das unterhaltsame Stück mit viel Musik und Humor lebt von der Atmosphäre des Mississippi-Südens, den dramaturgischen Einfällen des eingespielten Coen-Teams und einer durchstilisierten komödiantischen Leistung George Clooneys. Die seltsame Kuh auf dem Dach, die ein hellsehender schläfriger Schwarzer dem Trio kurz nach dem Entkommen prophezeit, bekommt ihre Nebenrolle. Und das mit der Beute war nur ein übler Köder dieses sentimentalen Pomade-Liebhabers Everett Ulysses McGill, der nicht allein fliehen wollte. Er will nur seine Frau (Holly Hunter) davon abbringen, einen anderen zu heiraten.

    Hanns-Jochen Kaffsack, dpa

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Bettina Tollkamp

    Bettina Tollkamp

    Chefin v. Dienst

    E-Mail

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    5°C - 9°C
    Montag

    3°C - 8°C
    Dienstag

    2°C - 6°C
    Mittwoch

    3°C - 7°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!