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  • Kritik: Südamerikanischer Politthriller mit Gefühl

    Ein kleiner Indio-Junge schlendert mit einem Paket unter dem Arm in ein Wahllokal. "Lang lebe Präsident Ezequiel" ruft er, bevor das Paket explodiert und ihn und alle Anwesenden zerfetzt.

    Der Auftakt zu einer Reihe von Anschlägen, die das südamerikanische Land in Angst und Schrecken versetzt. Agustin Rejas (Javier Bardem), ein junger, engagierter Polizist, der noch an die Gerechtigkeit glaubt, wird auf den mysteriösen Rebellenführer Ezequiel angesetzt. Er hat wenig Zeit, droht doch das Militär die Macht zu übernehmen, sollte er Ezequiel nicht bald aufspüren. Dennoch legen ihm seine korrupten Vorgesetzten immer neue Steine in den Weg.

    Beeindruckendes Regiedebüt von John Malkovich

    Mit "Der Obrist und die Tänzerin", nach der Romanvorlage von Nicholas Shakespeare, hat Hollywoodmime John Malkovich ("Gefährliche Liebschaften") ein beeindruckendes Regiedebüt vorgelegt. Historisch angelehnt ist die Geschichte an die Jagd und Gefangennahme von Abimael Guzman in den 80er Jahren, Gründer und Kopf der peruanischen Guerilla-Gruppe "Leuchtender Pfad". Aus der Sicht seines Protagonisten Rejas gelingt es Malkovich, ein vielschichtiges Bild von einem Land zu zeigen, das innerlich zerrissen ist. Dabei nimmt er niemals Partei - weder für die Rebellen, die sich als Nachfolger von Marx, Mao und Kant sehen, noch für die Polizisten und das korrupte Regime, dem sie dienen.

    Gesten sprechen von großer, aber vorsichtiger Zuneigung

    Trost findet Rejas, einfühlsam gespielt von Javier Bardem (Oscar- Nominierung für "Before Night falls") bei der Ballettlehrerin seiner Tochter Yolanda (Laura Morante). Langsam und sehr zögerlich kommen sich die beiden näher, nur einzelne Gesten sprechen von einer großen, aber vorsichtigen Zuneigung für einander. Am Lagerfeuer in seinem Heimatdorf, hoch in den abgelegenen Regionen der Anden, wo die Rebellen ihren gewaltsamen Kampf gegen das Regime vor Jahren begannen, fertigt Rejas für Yolanda eine Blechlaterne - damit sie sich in der Dunkelheit nicht fürchten muss, wenn die Terroristen den Strom in der Hauptstadt abschalten.

    Geschichte in gewaltigen und ausdruckstarken Bildern

    Die Geschichte wird in gewaltigen und ausdruckstarken Bildern erzählt. Imposante Landschaftsaufnahmen von den Anden begleiten das erste Aufeinandertreffen von Ezequiel und Rejas in der Provinz - noch ahnen beide nicht, was auf sie zukommen wird. Einzelne Szenen verstärken den aussichtslosen Kampf auf beiden Seiten: Eine junge Terroristin in Schulmädchenuniform, die gerade einen hochrangigen Politiker in die Luft gejagt hat, stirbt in Rejas Armen. Er will sie retten, doch sie bespuckt ihn mit dem Blut, das aus ihrem Mund läuft. Wenig später wird sie von ihren eigenen Leuten erschossen - damit sie nicht reden kann.

    Historischen Details treten hinter persönlichen Geschichten zurück

    Malkovich ging es nicht so sehr um die politischen Hintergründe: "Für mich sind die persönlichen Geschichten und Hintergründe der Protagonisten weitaus interessanter als die historischen Details", sagte der Schauspieler. Das kommt dem Film auf der gefühlsmäßigen Ebene weitaus zu Gute - leidet der Zuschauer doch mit den Figuren, allen voran Rejas, der bis zum Schluss an seinen Idealen festhält. Gleichzeitig bleiben dadurch einige Aspekte der historischen Handlung im Dunkeln - so wird zum Beispiel wenig deutlich, wofür die Rebellen eigentlich kämpfen.

    Carola Große-Wilde, dpa

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