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  • Kritik: Subtiles Familiendrama aus Frankreich

    «Keine Sorge, mir geht's gut» ist keine Liebesgeschichte im herkömmlichen Sinne. Zwar geht es um tiefe Gefühle, ja auch um Liebe. Die Protagonisten in diesem französischen Film sind jedoch Geschwister, von denen einer der beiden, der Bruder, gar nicht körperlich in Erscheinung tritt, weil er spurlos verschwunden ist.

    Seine Schwester Lili (Mélanie Laurent) begibt sich auf die Suche nach ihrem Zwillingsbruder, der ihr so schmerzhaft fehlenden Hälfte. Das subtile Familiendrama von Philippe Lioret («Die Frau des Leuchtturmwärters») ist vor allem etwas für Liebhaber leiser und melancholischer Töne. Herausragend: die schauspielerische Neuentdeckung Mélanie Laurent.

    Als die 19-jährige Lili aus den Sommerferien zurückkehrt, erfährt sie, dass ihr geliebter Bruder Loic nach einem Familienstreit Hals über Kopf von zu Hause abgehauen ist. Ihre Eltern geben sich seltsam reserviert. Trotz der engen Beziehung zu ihrem Bruder kommt auch in den nächsten Tagen und Wochen kein Lebenszeichen vom ihm.

    Lilis Sorge wird zu einer handfesten Depression. Das Verhältnis zu ihren Eltern verschlechtert sich, insbesondere ihren in Konventionen gefangenen Vater (Kad Merad) macht Lili für das Verschwinden ihres Bruders verantwortlich. Als sie sich weigert, zu essen und schließlich im Krankenhaus künstlich ernährt werden muss, kommt plötzlich die lang ersehnte Postkarte mit der Nachricht «Keine Sorge, mir geht's gut».

    Es folgen weitere Karten; schließlich eine aus der Normandie. Lili geht es langsam wieder besser. Doch ihr Leben kann sie dennoch nicht an der Stelle wieder aufnehmen, wo sie es quasi unterbrochen hat. Sie beendet ihr Studium und nimmt einen Job als Kassiererin im Supermarkt an. Schließlich macht sie sich heimlich auf den Weg in die Normandie. Nur so viel sei verraten: sie wird ihren Bruder auch dort nicht finden.

    Mélanie Laurent («Der wilde Schlag meines Herzens») gilt völlig zu Recht als große Neuentdeckung. Die Tochter eines Schauspielers und einer Ballettlehrerin war erst 13 Jahre alt, als sich für sie ein Mädchentraum erfüllte: Als sie eine Freundin zum Filmset begleitete, wo der Vater der Freundin als Techniker arbeitete, lief ihr der französische Leinwandstar Gérard Depardieu über den Weg. Er sah sie, war von ihr begeistert und gab ihr in seinem nächsten Film eine Nebenrolle. Von da an wusste sie, dass sie Schauspielerin werden wollte.

    Laurent verfügt über eines dieser ungeschminkten und unaufdringlichen Gesichter, die man einfach gern anschaut. Die 24-Jährige bewegt sich so ungekünstelt, dass es einfach unvorstellbar erscheint, sie könnte im wahren Leben etwas anderes sein als im Film. Gleichzeitig schafft sie es, dem Lebensgefühl einer Generation Ausdruck zu verleihen, die - wie es ein Kritiker beschrieb - irgendwie aus dem Leben gefallen zu sein scheint.

    Lioret hat nach seinem in Deutschland weitgehend missachteten Film «Die Frau des Leuchtturmwärters» mit Sandrine Bonnaire in der Hauptrolle erneut viel Fingerspitzengefühl bewiesen. Die Handlung entwickelt sich scheinbar aus den Charakteren heraus und Lioret lässt ihnen dafür den nötigen Raum. Lioret: «Das wahre Leben, unser Leben, erscheint uns manchmal banal und fade, aber gerade dort verstecken sich die authentischen Emotionen, und wenn es einem mit Hilfe einer trefflichen Dramaturgie gelingt, sie ans Tageslicht zu holen, dann entsteht dabei genau das, wovon auch meine Lieblingsfilme leben.»

    Das gelingt ihm so gut, dass sich manche Zuschauer fragen werden, warum sie sich eigentlich um einen nicht in Erscheinung tretenden Bruder eines Mädchens aus einem französischen Vorort sorgen und an einigen Stellen sogar heimlich und still ins Taschentuch weinen.

    Karolin Köcher, dpa

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