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  • Kritik: Subtiler PsychoThriller

    Dunkle Wasserflecken an der Schlafzimmerdecke, ein schlecht funktionierender Aufzug in einem heruntergekommenen Wohnblock, ein mürrischer Hausmeister - das alleine ist schon nervig. An den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen die frisch geschiedene junge Mutter Dahlia Williams (Jennifer Connelly) die mit ihrer fünfjährigen Tochter Ceci (Ariel Gade) ein neues Leben anfangen will, aber noch mysteriösere Dinge.

    Schritte aus der leer stehenden Wohnung über ihr, nächtliches Gewisper einer geisterhaften Natascha in Cecis Ohr und vor allem die Fluten schwarzen Wassers, die sich plötzlich in jeden Winkel ihres Daseins zu ergießen scheinen. Der subtile Psycho-Thriller «Dark Water - Dunkle Wasser» entstand unter der Regie des Brasilianers Walter Salles («Die Reise des jungen Che»).

    Fast ein eigener Protagonist ist dabei Roosevelt Island, ein Stadtteil von New York, umspült von den dunklen Strömen des East River. Von einer Festung aus Beton blickt man hinüber auf die glitzernden Wolkenkratzer von Manhattan - nah und doch unerreichbar. «Das ist nicht die Stadt, Mama, das da drüben ist die Stadt», sagt Tochter Ceci (Newcomer Ariel Gade) anklagend als sie mit der Gondel hinüberfahren. Auf Roosevelt Island wohnen die Immigranten, die Alten, die Veteranen aus Amerikas Kriegen, die Vergessenen. Regisseur Salles hat dafür harte, farblose Bilder gewählt, die warmen Farben bleiben den wenigen Szenen in Manhattan vorbehalten. Auf Roosevelt Island scheint es immer zu regnen.

    Anvertrauen kann sich Dahlia kaum einem der Männer, die ihre neue Welt bevölkern: Der gut betuchte Ex-Ehemann Kyle (Dougray Scott) ist ihr Feind um das Sorgerecht für Cecil, der geschwätzige Makler und Hausbesitzer Mr. Murray (John Reilly) will sich am liebsten um gar nichts kümmern. Was Hausmeister Veeck (Pete Postlethwaite) mit dem Kinderrucksack einer früheren Mieterin im Schilde führt, bleibt lange im Dunkeln. Die einzige beste Freundin, die sich um sie sorgt, ist nur eine Telefonstimme aus Manhattan. Lediglich der Pro Bono-Anwalt Platzer (Tim Roth), den sie in seinem «Auto-Büro» konsultiert, scheint auf ihrer Seite zu sein.

    Gleichzeitig scheint die Einsamkeit der Wohnung die Verlustängste Dahlias wieder hervorzurufen, als sie als kleines Mädchen mit ihrer lieblosen, Alkohol abhängigen Mutter zurecht kommen musste. Und so ist «Dark Waters» auch eine Parabel über urbane Einsamkeit inmitten von Menschenmassen und Häuserblocks und die Klaustrophobie vor dem eigenen, unvollkommenen Leben, dem Leben unverarbeiteter Kindheitstraumata. «Ich glaube an Geister auf einer abstrakten Ebene, ich bin überzeugt, dass viele Menschen herumlaufen, die von ihrer Kindheit verfolgt werden, so wie mein Charakter», sagt die Oscar-Gewinnerin Jennifer Connelly («A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn»).

    Das Drehbuch stammt von dem japanischen Autor Koji Suzuki («Der Ring») und wurde bereits einmal in Japan verfilmt. Zu einem echten Psycho-Thriller wird «Dunkle Wasser» durch die ständige Frage, ob das, was passiert, Realität ist oder sich nur in Dahlias Kopf abspielt. Sie nimmt Beruhigungstabletten, mit denen sie tagelang durchschläft. Bricht sie lediglich unter dem Stress der Scheidung zusammen? Kommen ihre eigenen Verlustängste wieder hoch? Oder wird sie wirklich von einer übernatürlichen Macht heimgesucht, die ihr und ihrer Tochter Böses will? In diesem Thriller spritzt nicht ein Tropfen Blut und keine Körper werden zerhackt. Trotzdem löst der Film ein inneres Grauen aus, die an Klassiker wie «Rosemaries Baby» oder «Shining» erinnern. Die entscheidenden Fragen muss sich am Ende jeder selbst beantworten.

    dpa

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