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  • Kritik: Subtiler Horror auf dem "Lost Highway":

    Hamburg (dpa) - Nach vier Jahren Pause meldet sich Kultregisseur David Lynch ("Blue Velvet", "Wild at Heart") an diesem Donnerstag in den deutschen Kinos zurück. "Lost Highway" heißt der alptraumhafte Psycho-Thriller, ein Verwirrspiel um einen Saxophonspieler der seine Frau umgebracht haben soll, aber sich an nichts erinnern kann und plötzlich ein ganz anderer ist. In der Hauptrolle besticht Bill Pullmann - endlich mal nicht als Mister Nice Guy.

    In seiner Bildersprache und der Darstellung von Perversion lehnt sich "Lost Highway" am ehesten an den früheren Lynch-Film "Blue Velvet" an. Bilder und Geräusche tragen die Handschrift vom Meister des labyrinthischen Erzählens. Lynch nimmt seine Zuschauer nicht an die Hand. Und bei Zartbesaiteten dürfte das suggestive und gruselige Rätsel um Sex, Gewalt und Schizophrenie heftig nachwirken.

    Der Saxophonist Fred Madison (Pullman) und seine Frau Renee (Patricia Arquette) leben in ihrer düsteren Villa nahezu wortlos nebeneinander her. Fred kann seine Frau sexuell nicht befriedigen und ist besessen von der Vorstellung, daß sie fremdgeht. Eines Morgens findet Renee vor der Haustür eine Videocassette. Sie enthält nur eine kurze Sequenz, die das Haus von außen zeigt. Doch es folgen weitere Videos, auf denen Fred und Renee auch im Bett zu sehen sind - das Paar wird offenbar beobachtet und bekommt Angst. Auf der Suche nach einem Fremden taucht Fred eines Abends in das Dunkel seines Hauses, wo er offenbar seinem anderen Ich begegnet - jedenfalls zeigt das nächste Video Fred, der neben der zerstückelten Leiche Renees kauert.

    Wegen Mordes zum Tode verurteilt und inhaftiert, verwandelt sich Fred eines Nachts in einer bizarren, wie halluziniert wirkenden Szene in den Automechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty) und wird sodann von den Behörden in die Freiheit entlassen. Pete begegnet einer schönen Blondine (Arquette), mit der er eine Affäre beginnt. Hier schließt sich einer der zahlreichen Kreise des Films - die alter egos des Ehepaars verbinden sich wieder zu einem Paar. Weitere Schaltstellen sind der teuflisch-gespenstische Mystery Man (weißgeschminkt und hohläugig: Robert Blake), der offenbar als einziger den Überblick hat, und ein gewisser Mr. Eddy (Robert Loggia), der unter anderem mit Pornos handelt.

    Die verwobene Handlung ist bei Lynch nur Vehikel für ein Thema: der Infragestellung von Beherrschung und Kontrolle. Zu sehen sind Lust, Zärtlichkeit, Macht, pornographische Phantasien, Erfolgsdruck, Versagen, Prostitution und schließlich der Totschlag. Werden Sujets durch den Blickwinkel der Kamera sonst oft eingeschränkt, erweitert und entrealisiert Lynch durch seine aufs Unterbewußte zielende Bildmontage die Wahrnehmung wie unter Drogeneinfluß.

    Alptraumszenen blitzen assoziationsartig grell immer wieder auf - es nützt also nichts, sich bei grausamen Szenen die Augen zuzuhalten. Der von einer Glasplatte gespaltene Schädel etwa ist plötzlich für eine Schrecksekunde erneut zu sehen. Bei Lynch beschränkt sich das Grauen allerdings nicht auf Schockszenen. Seine Bilder sind noch in den harmlosesten Sequenzen bedrohlich und unterkühlt, wozu das von ihm selbst verantwortete Sound Design und die Musik von Angelo Badalamenti nicht wenig beitragen.

    Von Fatina Keilani, dpa

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