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  • Kritik: Subtile Suche nach Selbstfindung

    Eifersüchtig beäugt ein schlaksiger Siebzehnjähriger (Robert Stadlober) bei der Jubiläumsfeier seines Rudervereins ein junges Pärchen, das sich beim Engtanz zärtlich aneinander schmiegt. Doch sein Interesse gilt nicht dem attraktiven Mädchen (Miriam Morgenstern), sondern seinem besten Freund (Kostja Ullmann), zu dem er sich insgeheim hingezogen fühlt.

    Um seine Gefühle zu verbergen, beginnt er selbst einen heißen Flirt mit einer schönen Sportlerin (Alicja Bachleda-Curus). Als die Jugendlichen gemeinsam zu einem Wettkampf in ein Sommerzeltlager aufbrechen, bei dem sie gegen eine schwule Rudermannschaft antreten, verliert er völlig seine Orientierung. Mit viel Feingefühl und Humor erzählt der deutsche Autor und Regisseur Marco Kreuzpaintner («Ganz und gar») in «Sommersturm» eine tragikomische Geschichte über den Prozess der Selbstfindung, Angst vor Enttäuschungen und die erste große Liebe.

    Autobiografische Züge

    Beim diesjährigen Filmfest München wurde «Sommersturm» mit dem Bayern 3-Publikumspreis ausgezeichnet. Produziert wurde diese lebendige Geschichte von dem deutschen Erfolgs-Duo Jakob Claussen und Thomas Wöbke, die mit ihrer Münchner Produktionsfirma für Kinohits wie «Jenseits der Stille», «Crazy», «Anatomie» und «Lichter» verantwortlich zeichnen. «Das Thema Homosexualität ist im deutschen Mainstreamkino bisher nicht behandelt worden», sagt Kreuzpaintner. «Es gibt nur Komödien, in denen über Schwule, aber nicht mit ihnen gelacht wird.» Das Drehbuch zu «Sommersturm», das autobiografische Züge besitzt, verfasste er gemeinsam mit seinem Co-Autoren Thomas Bahmann («Südsee, eigene Insel»). «Im Mittelpunkt der Story steht aber nicht das Coming Out, sondern eine erste Liebe, die nicht erwidert wird.»

    Beim Training im Camp flüchtet sich der verunsicherte Jugendliche immer mehr in Notlügen, um dem Freund seine schlechte Laune zu erklären. Als er schließlich doch einen Annäherungsversuch wagt, wird er dabei von der gegnerischen Rudermannschaft beobachtet, die ihn zu einem Sonnenbad auf ihrem Steg einladen. Obendrein will ihn das Mädchen, mit dem er nur zum Schein geflirtet hat, ausgerechnet an diesem Nachmittag unbedingt verführen. Während ein schwerer Sturm aufzieht, werden seine Gefühle immer stärker durcheinander gewirbelt.

    Innere Gefühlswelt nach außen gekehrt

    Die Dreharbeiten zu «Sommersturm» erfolgten im Sommer 2003 an der Bevertalsperre in Nordrhein-Westfalen. «Da der Film zu achtzig Prozent aus Außenaufnahmen bestand, mussten wir oft den Drehplan ändern, um eine sommerliche Stimmung zu kreieren.» Die Sturmsequenz wurde mit Hilfe von Windmaschinen sowie dem Einsatz eines Helikopters produziert. Zur Vorbereitung auf diesen Film absolvierten die Schauspieler ein intensives, mehrwöchiges Rudertraining. Am Set setzte der Regisseur viel auf Improvisation mit den jungen Darstellern. «Ich betrachte das Skript nur als Ausgangsmaterial, das ich beim Drehen immer wieder in Frage stelle, um neue Aspekte in einer Szene zu entdecken», betont Kreuzpaintner. «Dadurch sind die Schauspieler angesprochen, etwas von sich selbst zu geben und die Gefühle ihrer Figuren hautnah zu vermitteln. Vor den Liebesszenen habe ich mit ihnen über ihre Ängste gesprochen.»

    In «Sommersturm» schafft es Kreuzpaintner, die innere Gefühlswelt eines Heranwachsenden authentisch nach außen zu kehren. Getragen wird dieser Film von dem großartigen Robert Stadlober, der mit wenigen Worten und ausdrucksstarken Mienenspiel seine Melancholie und schwankenden Stimmungen vermittelt. Bei dieser subtilen Suche nach Identität und Glück beweist der Regisseur ein hervorragendes Gespür für die neuralgischen Punkte der Teenager-Seele. Durch die Balance zwischen tragischen und komischen Situationen verleiht er diesem Kinoabenteuer zugleich eine erfrischende Unbeschwertheit. «Sommersturm» bietet grandioses Gefühlskino, das sich wohltuend von der gängigen Mainstreamware für Teenager abhebt und die Zuschauer mitten ins Herz trifft.

    dpa

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